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Düngerimporte

Düngerpreise: Brüssel hält an Antidumpingzöllen fest

N-Dünger-Kalkammonsalpeter
Josef koch
Josef Koch
am Montag, 07.11.2022 - 09:21

EU-Kommission sieht Gaspreise als Hauptgrund für Verteuerung der Düngerpreise

Brüssel Die Europäische Kommission lehnt ein Aussetzen der Antidumpingzölle auf die Einfuhren von Mischungen von Harnstoff und Ammoniumnitrat aus Russland, Trinidad und Tobago sowie den Vereinigten Staaten ab. Ihre ablehnende Haltung rechtfertigt die Brüsseler Behörde im Wesentlichen damit, dass der treibende Faktor für die hohen Stickstoffpreise „die gegenwärtigen Rekordpreise für Erdgas“ sei. Diese stellten eine Belastung für die EU-Düngemittelhersteller dar. Den Antrag auf Aussetzen der Antidumpingzölle hatten die EU-Ausschüsse der Bauernverbände (COPA) und ländlichen Genossenschaften (COGECA) schon 2021 gestellt.

Dabei hatten die beiden Dachverbände auf die bereits damals deutlich gestiegenen Düngemittelpreise für die Landwirte verwiesen. Brüssel begründete die Einführung der Antidumpingzölle im Oktober 2019, dass die Länder wettbewerbsverzerrende Staatsbeihilfen beim Herstellen der Düngermischungen gewähren.

Düngerabsatz sinkt kräftig

In Deutschland hat der kräftige Preisanstieg den Absatz von Mineraldüngern zuletzt weiter deutlich sinken lassen. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) nahm der Inlandsverkauf von Stickstoffdünger im zweiten Quartal 2022 gegenüber dem Vorjahr um 18,5 % auf 238 000 t ab. Der Kommission zufolge war die Branche der Düngemittelhersteller in der EU aufgrund der „extremen Gaspreise“ im dritten Quartal 2021 in die Verlustzone gerutscht.

Kostenanstieg nicht weiterzureichen

Diesen Kostenanstieg konnten die Hersteller nach Angaben der EU-Kommission seither nicht an die Kunden weiterreichen, da die Landwirte oftmals beschlossen hätten, den Kauf von Düngern zu verschieben beziehungsweise deren Einsatz zu verringern. Ein weiterer wesentlicher Grund dafür sei ein anhaltender Preisdruck durch Düngemitteleinfuhren. Die Düngemittelhersteller in der EU seien unter den derzeitigen Marktbedingungen nicht in der Lage, zu rentablen Preisen zu produzieren beziehungsweise zu verkaufen, erklärt die EU-Behörde. Ein Aussetzen der Antidumpingmaßnahmen würde die Lage dieses Wirtschaftszweiges weiter verschlechtern. Einfuhren zu Dumpingpreisen aus den betroffenen Ländern, insbesondere Trinidad und Tobago, würden zu einem weiteren Druck auf die Preise am EU-Düngemittelmarkt und möglicherweise zu einem Preisverfall führen.

USA auf Inlandsabsatz fokussiert

Zudem stellt die EU-Behörde fest, dass die USA ihre Verkäufe von Harnstoff und Ammoniumnitrat seit 2020 „anscheinend auf den Inlandsmarkt konzentriert haben“. Die Einfuhren aus Trinidad und Tobago seien durch die Antidumpingmaßnahmen „offensichtlich nicht beeinträchtigt“ worden. Im Jahr 2021 machten die Einfuhren von dort 50% der gesamten Einfuhren in die EU aus. Nach Kommissionsangaben entsprach dies 389 000 t. In den ersten vier Monaten 2022 lieferte der karibische Inselstaat mehr als 234 000 t Harnstoff und Ammoniumnitrat in die Europäische Union; das waren 54% mehr als im Vorjahrszeitraum.

Mit Blick auf Einfuhren aus Russland argumentiert Brüssel, das russische Handels- und Industrieministerium habe bereits am 4. März 2022 den russischen Herstellern empfohlen, die Düngemittelausfuhr vorübergehend auszusetzen. Zudem befinde sich eine Reihe von Hauptaktionären der großen russischen Hersteller von Harnstoff und Ammoniumnitrat auf der Sanktionsliste der EU.

EU-Bauernverband kritisiert Kommission

Nicht einverstanden mit den Kommissionsentscheidung sind die europäischen Bauern- und Genossenschaftsverbände (Copa/Cogeca). Sie werfen der Brüsseler Behörde vor, die Ziele des Green Deal und der Farm-to-Fork-Strategie mit kurzfristigem Marktkrisenmanagement zu vermischen. So gewinne man den Eindruck, die EU-Kommission missbrauche die Kostenkrise der Bauern für weitergehende politische Ziele. Dabei sollte das Abmildern der Versorgungsengpässe und Verhindern übermäßiger Preissteigerungen bei Düngemitteln im Vordergrund stehen.

Außerdem würden Düngemittelfirmen Rekordgewinne vermelden, während EU-Bauern  in einer schweren Krise steckten, so die beiden Dachverbände. Aus deren Sicht ist es dringend nötig, die Wertschöpfungskette der Agrar- und Ernährungswirtschaft in der Europäischen Union neu zu bewerten. Gleichzeitig müsse eine ausreichenden Versorgung der EU mit Düngemitteln unabhängig von deren Herkunft gewährleistet sein, fordern die Copa/Cogeca.

Mit Material von AgE
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