Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Klimapolitik

Düngerpreise: Bauernverband fordert Grenzausgleich für Agrarimporte

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 10.12.2021 - 16:17

Ab 2026 sollen Düngerimporte mit einem CO2-Preis belegt werden. Das benachteiligt deutsche Bauern, wenn Agrarimporte nicht belastet werden.

Duenger_aufladen

Der Deutsche Bauernverband (DBV) verlangt auch für Agrarimporte einen CO2-Grenzausgleich. „Wenn Landwirte in der EU zukünftig teurere, klimafreundliche Düngemittel einsetzen als ihre Wettbewerber in Drittstaaten und so einen preislichen Wettbewerbsnachteil haben, muss die Politik hier steuernd eingreifen“, fordert DBV-Präsident Joachim Rukwied. Die Bundesregierung und die EU-Kommission müssten hierzu eine Machbarkeitsstudie erstellen, die die Besonderheiten der Landwirtschaft in ausreichendem Maße berücksichtige und praxisgerechte Wege aufzeige.

So beabsichtigt die EU-Kommission einen CO2-Grenzausgleichsmechanismus (Carbon Border Adjustment Mechanism, CBAM) für energieintensive Produkte, darunter Stickstoffdünger, einzuführen. Das hatte sie Mitte Juli diesen Jahres angekündigt. Danach müssten ab 2026 EU-Düngerimporteure CO2-Zertifikate zum jeweils aktuellen CO2-Preis kaufen.

Nach DBV-Berechnungen würde sich beispielsweise Kalkammonsalpeter um rund 46 Prozent auf rund 1,17 €/kg verteuern, wenn der CO2-Preis bei 50 €/t liegt. Verdoppelt sich der CO2-Preis sogar auf 100 €/t, würden die Kosten je Kilo N um rund 92 % in die Höhe schnellen. Schon jetzt müssen europäische Bauern aufgrund der Antidumpingzölle rund 1,6 Mrd. € mehr für ihre N-Dünger bezahlen. Jährlich führt die EU rund 13 Mio. t stickstoffhaltige Düngemittel ein, davon gehen rund 0,9 Mio. t nach Deutschland.

Importverbot für umweltschädliche Agarprodukte

Containerhafen-Agrarexporte-Freihandelsabkommen

Rukwied hält den geplanten CO2-Grenzausgleich der EU zwar für klimapolitisch sinnvoll, er belaste jedoch die internationale Wettbewerbsfähigkeit der EU-Landwirtschaft zusätzlich. „Deswegen muss auch für Agrarimporte ein Klima-Grenzausgleich geschaffen werden“, betont der DBV-Präsident.

Für den CBAM auf Düngemittel fordert der Deutsche Bauernverband einen langfristig berechenbaren Einführungspfad von mindestens 12 Jahren ab 2026, besser 15 Jahre. So können innerhalb und außerhalb der EU ausreichend neue Produktionskapazitäten für klimaschonende Düngemittel aufgebaut werden und ein Preiswettbewerb erhalten bleiben.

Zudem muss die EU den Import von Agrarprodukten auf Flächen mit illegalen Landnutzungsänderungen, vor allem Entwaldung, verbieten. Nicht einverstanden ist Rukwied, dass Brüssel die Einnahmen  aus dem Grenzausgleich für Düngerimporte in den allgemeinen EU-Haushalt stecken will.

„Wir fordern stattdessen, die Einnahmen aus dem CBAM auf Stickstoffdünger für zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen der Landwirtschaft bereitzustellen, beispielsweise für notwendige weitere Innovationen in der Düngung,“ so Rukwied. Zudem hält er es für nötig, dass sich die EU-Kommission sich internationale für einen Klimaclub aller Staaten stark macht, in dem dann einheitliche CO2-Mindestpreise und ein gemeinsamer Grenzausgleich gelten. Nach DBV-Auffassung funktioniert Klimaschutz nur global.

Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt