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Kommentar

Ein dreister Anbau-Tipp

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 29.07.2022 - 10:51

Naturschutzbund Deutschland rät Bauern zu weniger Maisanbau. Ein Kommentar von BLW-Redakteur Josef Koch.

Josef koch

Es ist ja schön, wenn Landwirte über so viele Pflanzenbauberater verfügen, und einige davon auch kostenlos ihre „wertvollen“ Ratschläge zur Verfügung stellen. Jetzt hat sich auch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) als Beratungsorganisation geoutet. So empfiehlt er Landwirten, angesichts Klimawandels und zunehmender Dürreperioden besser auf den Silomais zu verzichten und stattdessen auf „Gras-Kräuter-Leguminosen-Gemenge“ zu setzen. Sie würden im Gegensatz zum Mais auch noch die Humus- und Stickstoffbilanz verbessern.

Ja, liebe Nabu-Experten, das wissen die gut ausgebildeten Landwirte schon längst. Was aber schon dreist ist, ist der Nabu-Versuch, über das Ordnungs- und Fachrecht den Bauern noch mehr als bisher vorschreiben zu wollen, wieviel Mais in der Fruchtfolge noch erlaubt sein soll. So appellierten die Naturschützer an die Länderagrarminister, bei ihrem Treffen am Donnerstag (28.7.) die Vorgaben zum Fruchtwechsel nicht zu lockern.

Überbordende Auflagen

Mit welchen Auflagen sollen die Bauern denn noch alles traktiert werden? Im Gegensatz zum manchem selbst ernannten Berater aus der Naturschutzecke, reagieren Praktiker sehr schnell darauf, wenn sich eine Kultur im Anbau nicht mehr lohnt, weil sie wegen häufiger Dürreperioden die erhofften Erträge nicht mehr bringt. So ist der Maisanbau laut Statistik ohnehin schon 2022 gegenüber 2021 rückläufig. Nabu-Anbautipps erübrigen sich daher.

Falscher Erntezeitpunkt

Vor allem wenn Naturschützer in ihrer „Beratungsempfehlung“ behaupten, dass die Ernte zum Ende der Vegetationsperiode hin die Wahrscheinlichkeit erhöhe, „die Böden weiter zu verdichten“.

Dass der Silomais aber in der Regel Ende August/Anfang September bei trockenen Bodenverhältnissen geerntet wird, ist dem Nabu wohl entgangen. Ebenso erweckt er den Anschein, als würde die Bodenverdichtung auf 2,65 Mio. ha Maisanbaufläche erfolgen. Dabei wird nur Körnermais auf rund 441.000 ha im Spätherbst geerntet, und selbst dann meist ohne Bodenverdichtung.

Weiterer Haken

Und noch ein Haken hat der Nabu-Anbautipp. „Gras-Kräuter-Leguminosen-Gemenge“ liefern vor allem Eiweiß, aber nicht die notwendige Energie in der Tierfütterung. Sogar Ökolandwirte kommen auf den Maisanbau zurück, um ihre Flächen effektiver zu nutzen. Und ganz nebenbei: Im Gegensatz zum Getreideanbau kommt Mais mit deutlich weniger Pflanzenschutzmitteleinsatz aus und verwertet Wirtschaftsdünger optimal. Das macht ihn für viele Landwirte wirtschaftlich attraktiv.