Krisenmanagement

Diskussionen um Wolf gehen weiter

Thumbnail
BLW
am Donnerstag, 02.05.2019 - 14:02

Nur langsame Anpassung des Wolfsmanagements an heutige Realität

Halberstadt/Berlin/Neubrandenburg/Teltow Bei der Entwicklung eines modernen Wolfsmanagements schlagen die Beteiligten neue Pflöcke ein. Auf einem Wolfssymposium der CDU-Landtagsfraktion von Sachsen-Anhalt vergangene Woche in Halberstadt warb der Parlamentarische Staatssekretär des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL), Michael Stübgen, für eine wirkungsvolle Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes aus, um die Entnahme von Wölfen zu erleichtern. Künftig müsse es möglich sein, einzelne Wölfe vorbeugend zu schießen, um Rudel zu vergrämen. Man müsse handeln können, bevor etwas geschehe. „Das gefährdet nicht den guten Erhaltungszustand des Wolfes“, betonte der Staatssekretär. Die bisherige Vorgabe für die Entnahme eines Wolfes, dass man dem einzelnen Tier seine Tat per DNA-Abgleich nachweisen müsse, wertete Stübgen als praxisfremd. Dem BMEL gehe es nicht um die Ausrottung des Wolfes, sondern um effektiven Herdenschutz und die Belange der Weidetierhalter sowie nicht zuletzt um den Schutz der Bürger.
Der Naturschutzbund Deutschland (NABU), der am 30. April erneut den „Tag des Wolfes“ feierte, wies die Forderung nach Bestandsregulierung zurück. In einem offenen Brief an die Bundesministerinnen für Landwirtschaft und Umwelt, Julia Klöckner und Svenja Schulze, wirbt der NABU für mehr Förderung für Herdenschutz. Nachdem die EU-Kommission kürzlich den Weg frei gemacht habe für eine vollständige Förderung für den Herdenschutz und den Ausgleich von Weidetierrissen, liege es jetzt an Bund und Ländern, diese Möglichkeiten zu nutzen.
Sachsen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen haben die vollständige Kostenübernahme für den Herdenschutz und den Schadensausgleich bereits umgesetzt. Die Landesregierung Sachsen-Anhalt teilte am Osterwochenende mit, dass Herdenschutz und Schadensausgleich in dem Bundesland ab sofort zu 100 % unterstützt würden. Baden-Württemberg plant derzeit eine Aufstockung der Herdenschutzförderung. In Bayern wird derzeit eine Förderrichtlinie Herdenschutz erarbeitet.
Unterdessen haben 14 Naturnutzer-Verbände aus Mecklenburg-Vorpommern, darunter der Landesbauernverband, in einem Positionspapier ein konsequentes Bestandsmanagement des Wolfes gefordert. Die Tierart sei, zumindest in den östlichen Bundesländern, keine bedrohte Art mehr. Ein aktives Bestandsmanagement sei daher nicht nur zulässig, sondern dringend erforderlich. Das Bundesnaturschutzgesetz müsste daher dringend Schutzjagden nach skandinavischem Vorbild erlauben.

Auch der Deutsche Jagdverband bekräftigte seine Forderung nach „Wolfausschlussgebieten“ und einer Bestandsobergrenze. Der Verband schätzt die Zahl der Wölfe im Land auf mehr als 1000 Tiere. Bei einer Vermehrungsrate von 36 % pro Jahr würde sich dieser Bestand in weniger als drei Jahren verdoppeln.