Lebensmittelpreise

Diskussion um höhere Nahrungsmittelpreise geht los

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 24.09.2021 - 12:20

Die höheren Nahrungsmittelpreise für Verbraucher werden laut ARD zu einem Politikum. Doch was kommt davon bei Landwirten wirklich an?

Obst-Gemüse-Supermarkt

Die höheren Verbraucherpreise für Obst und Gemüse, Fleisch und Milchprodukte geraten zusehends in den Fokus der Öffentlichkeit. Erst gestern Abend berichtete die ARD darüber, nun auch der Spiegel, Münchner Merkur und weitere Fernseh- und Radiosender. In der ARD-Sendung „Börse vor Acht“ heißt es, „Lebensmittel werden zum Politikum“.

Dabei kommt gerade bei vielen Tierhaltern von den höheren Verbraucherpreisen so gut wie gar nichts in ihrem Geldbeutel an. Die Schweinehalter sehen sich sogar einer absoluten Preiskrise ausgesetzt. Dabei müssen Landwirte auch noch mit deutlich gestiegenen Preisen für Betriebsmittel klarkommen. Schnell stellt sich die Frage, ob künftig zahlungskräftige Verbraucher bereit sein werden, wirklich für den gewünschten Umbau der Tierhaltung mehr für Fleischprodukte zu bezahlen und ob der Staat Geringverdiener und Menschen in der Grundsicherung dabei unterstützen will?

Indes warnt VdK-Präsidentin Verena Bentele laut Spiegel-Bericht davor, dass Obst und Gemüse für Geringverdiener und Menschen in Grundsicherung durch die Preissteigerungen „endgültig zum Luxusgut“ werden, das sie sich nicht mehr leisten könnten. Im Hartz-IV-Regelsatz seien gerade einmal fünf Euro am Tag für Lebensmittel vorgesehen, kritisierte Bentele. Das habe schon bisher nicht für eine ausgewogene Ernährung gereicht, wie Studien nachgewiesen haben, so Bentele. Sie hält die jüngste Erhöhung des Regelsatzes um drei Euro für lächerlich.

Die Verbraucherpreise stiegen in Deutschland zuletzt kräftig, die Inflationsrate lag im August bei 3,9 Prozent. Die höchste Rate seit 1993. Betroffen von den anziehenden Preisen sind wegen des steigenden CO2-Preises besonders Energie, aber auch Lebensmittel haben sich deutlich verteuert. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (destatis) haben sich die Preise für Nahrungsmittel im August im Jahresvergleich um 4,6 Prozent erhöht.

Dabei mussten Verbraucher für Gemüse zuletzt neun Prozent mehr zahlen als vor einem Jahr, Salat war sogar knapp 38 Prozent teurer. Bei Obst betrug der Preisanstieg 2,5 Prozent. Grund sind unter anderem Ernteausfälle aufgrund der Extremwetterereignisse. Laut destatis haben sich im August auch Fleisch und Fleischwaren um 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat verteuert. Milchprodukte und Eier gar um 5 Prozent.

Mehrwertsteur für Obst und Gemüse streichen?

Sozialverbände und Gesundheitsorganisationen wie die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) oder Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) forderten, gesunde Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Nüsse von der Mehrwertsteuer zu befreien. Im Gegenzug sollten ungesunde, stark gezuckerte Produkte, etwa Softdrinks, mit einer höheren Steuer von 29 Prozent versehen werden.

Der Deutschen Fruchthandelsverband e.V. (DFHV), trat den Befürchtungen eines Luxusgutes Obst und Gemüse entgegen. Dessen Geschäftsführer,Dr. Andreas Brügger, wies darauf hin, dass die Ausgaben für Obst und Gemüse 2020 pro Person und Tag bei unter einem Euro gelegen hätten. Für eine Schachtel Zigaretten zum Preis von rund sieben Euro könne man im Einzelhandel derzeit sechs bis sieben Kilogramm Bananen kaufen, sodass selbst diese Exoten heute keinen Luxusartikel darstellten, sondern ausgesprochen günstig seien.

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