Datenmanagement

Digitalisierung: Bund baut zentrale Plattform auf

Josef Koch
Josef Koch
am Mittwoch, 23.12.2020 - 08:06

Die geplante Datenplattform soll Landwirten Zeit sparen und die Arbeit erleichtern. Die Vorbereitungen dafür laufen nun an.

Datenplattform-Digitalisierung

Als erstes Land in der EU wird Deutschland eine umfassende staatliche Datenplattform aufbauen. Wichtige Informationen sollen hier sinnvoll verknüpft und den Landwirten unkompliziert zugänglich gemacht werden. Grundlage der geplanten Datenplattform sind die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering in Kaiserslautern, die Bundesagrarministerin Julia Klöckner gestern vorstellte. Sie hatte die Studie in Auftrag gegeben.

Laut Klöckner geht es darum, relevante Informationen auf einen Blick verfügbar haben, statt langer, mühsamer Suche. Für die Landwirtschaft will das BMEL eine Service-Plattform aufbauen. "Sie soll unseren Bauern Zeit am Schreibtisch sparen und die Arbeit auf den landwirtschaftlichen Betrieben erleichtern. Mit der Umsetzung werden wir nun schnell starten,“ kündigte die Bundesminsterin an.

Das sind die nächsten Schrittte

In einem ersten Schritt sollen schon 2021 die relevanten staatlichen Agrardaten auf der Plattform gesammelt, übersichtlich aufbereitet und Nutzern zur Verfügung gestellt werden. Ein großer Vorteil für die Landwirte. Bisher müssen sie sich wichtige Informationen oft von verschiedenen Stellen zusammensuchen. Künftig sollen sie mit wenigen Mausklicks alle Angaben erhalten, die sie für ihren Betrieb benötigen. Dazu können so unterschiedliche Informationen wie Wetterdaten, Förderrichtlinien, wichtige Ansprechpartner oder Zulassungsdaten für Pflanzenschutzmittel zählen.

Darauf aufbauend soll die digitale Serviceplattform später um weitere Funktionen ergänzt werden, die zum Beispiel Landwirten die Antragstellung etwa für die Direktzahlungen der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik erleichtert oder Schnittstellen zur elektronischen Meldung an das Herkunfts- und Informationssystem für Tiere integriert.

Vorgesehen ist zudem die Ankoppelung der staatlichen Plattform mit ihren Inhalten und Angeboten an die geplante europäische Dateninfrastruktur (GAIA-X), damit Synergien zwischen den europäischen Staaten genutzt werden können.

„In den Interviews mit den Akteuren des landwirtschaftlichen Sektors wurde deutlich, dass eine staatliche Datenplattform, welche die zahlreichen Informationen der Behörden gebündelt darstellt, erwünscht ist," machte Projektleiter Dr. Jörg Dörr deutlich. Die Machbarkeitsstudie zu den staatlichen digitalen Datenplattformen für die Landwirtschaft zeige, dass eine Umsetzung auch rechtlich und technisch möglich sei. Föderale Zuständigkeiten können dabei gewahrt werden können. "Eine anwenderfreundliche übersichtliche Darstellung und die schrittweise Integration verschiedener Funktionen bieten einen enormen Mehrwert," ist sich Dörr sicher.

Landwirte behalten Datenhoheit

Stegemann Albert-CDU-CSU-Bundestagsfraktion

Für den Albert Stegemann, Agrarsprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, ist der Abschlussbericht ein Meilenstein für die weitere Digitalisierung der Landwirtschaft in Deutschland. Erstmals werden umfassend die Chancen von staatlichen digitalen Datenplattformen in der Landwirtschaft wissenschaftlich bewertet und konkrete Lösungswege aufgezeigt.

Die Studie des Fraunhofer-Instituts hatten die Koalitionsfraktionen in einem Bundestagsantrag erbeten, um eine fundierte wissenschaftliche Grundlage für einen erneuten Digitalisierungsschub im Agrarsektor zu erhalten. Die Digitalisierung bietet exzellente Möglichkeiten, um eine besonders ressourcenschonende, gesellschaftlich akzeptierte und ökonomisch tragfähige Landwirtschaft zu betreiben – ob auf dem Acker oder im Stall. Eine Präzisionslandwirtschaft 4.0 ermöglicht es laut Stegemann Landwirten beispielsweise, über digitale Sensorik die Gesundheit ihrer Tiere zu messen und das Tierwohl zu stärken. Ackerbauern könnten mithilfe digitaler Lösungen die Bewässerung von Pflanzen oder den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln punktgenau und besonders sparsam steuern, so der Agrarsprecher.

Laut Stegemann haben die Autorinnen und Autoren der Studie die Datenhoheit und Datensouveränität der Landwirte bekräftigt. "Nur wenn Landwirte die Verfügungsgewalt über ihre Daten behalten und Dritte diese Daten nicht unbefugt verwenden dürfen, werden wir die Akzeptanz für modernsten Datenaustausch im Agrarsektor sichern und Nutzen für uns alle daraus ziehen können,“ so der Unionspolitiker.