Agrarstatistik

Deutschland: Im Schnitt 63 Hektar pro Hof

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 22.01.2021 - 13:01

Der Strukturwandel hat sich in Deutschland verlangsamt. Das Betriebswachstum hält mit Ausnahme im Osten an. Erste aktuelle Daten aus der Landwirtschaftszählung 2020.

Agrarlandschaft-Bayern-Eurasburg

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland ist seit der vorangegangenen Landwirtschaftszählung 2010 um rund 35.600 Höfe oder 12 % auf 263.500 Betriebe gesunken. In Bayern ist die Zahl der Betriebe aber in diesem Zeitraum stärker gefallen, auch der Flächenrückgang war größer. In der Tierhaltung dagegen war der Strukturwandel deutlich stärker.

Die landwirtschaftlich genutzte Fläche blieb mit 16,6 Millionen Hektar nahezu konstant (-1 %). Die durchschnittliche Größe der Betriebe lag 2020 damit bei 63 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche je Betrieb, das waren 13 % mehr als vor zehn Jahren. Damals bewirtschaftete ein Betrieb durchschnittlich 56 Hektar. Das ist laut Statistischem Bundesamt ein zentrales Ergebnis der Landwirtschaftszählung 2020. Da die Erhebungszeiträume und Erhebungsstichtage der Landwirtschaftszählung 2020 am 1. März 2020 oder davor lagen, bilden die Ergebnisse dieser Erhebung keine Auswirkungen der Corona-Pandemie ab.

14 Prozent der Betriebe haben 62 Prozent der Fläche

„Damit sind die Betriebe so groß wie nie“, sagte Christoph Unger, Vizepräsident des Statistischen Bundesamtes. „Entgegen dem Bundestrend geht die durchschnittliche Betriebsgröße in Ostdeutschland jedoch leicht zurück, unter anderem deshalb, weil neue beziehungsweise ausgegründete Betriebe eher geringere Betriebsgrößen aufweisen.“

Nach wie vor bewirtschaftet der überwiegende Anteil der landwirtschaftlichen Betriebe (86 %) eine Fläche von maximal 100 Hektar. Gegenüber 2010 nahm deren Zahl um knapp 40.100 auf etwa 225.400 Betriebe ab. Die Zahl der Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von mehr als 100 Hektar stieg seit 2010 um etwa 4.500 auf rund 38.100 Betriebe an. Damit bewirtschaften 14 % aller Betriebe 62 % der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland. Insgesamt nimmt die Geschwindigkeit des Strukturwandels aber ab: Zwischen 2016 und 2020 betrug der jährliche Rückgang der Zahl der Betriebe 3.000 und die Flächenzunahme pro Betrieb 0,6 Hektar. Zum Vergleich zwischen 2010 und 2016 sank die Zahl der Betriebe um 4.000 pro Jahr Betriebe, die Betriebsgröße legte um 0,8 Hektar zu.

Öko-Trend weiter ungebrochen

Der Trend zur Umstellung auf den ökologischen Landbau hält an. 2020 wirtschafteten knapp 26.400 Betriebe nach den Regeln des ökologischen Landbaus. Das sind 10 % der Betriebe insgesamt. Die Zahl der Ökobetriebe nahm gegenüber 2010 um rund 9.900 oder 60 %) zu.

Mit der Zahl der Ökobetriebe hat auch die ökologisch bewirtschaftete Fläche zugenommen, und zwar um 69 % auf 1,6 Millionen Hektar in 2020. Der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche ist somit von 5,6 % auf 9,6 % gestiegen.

Weiter positiv fällt die Entwicklung in der ökologischen Tierhaltung aus: Die Zahl der Betriebe mit ökologischer Tierhaltung ist in den letzten zehn Jahren um 43 % auf rund 17 500 gestiegen. Diese Betriebe machen einen Anteil von 10 % an allen tierhaltenden Betrieben aus. Knapp jedes zehnte Rind (8 Prozent) in Deutschland steht in einem Ökobetrieb, beim Geflügel sind es 5 % und bei den Schweinen knapp 1 %.

Forst und Energie wichtige Standbeine

Im Zeitraum März 2019 bis Februar 2020 waren in Deutschland 936 900 Arbeitskräfte in der Landwirtschaft tätig. Gegenüber 2010 ist das eine Abnahme um 13 %. Knapp die Hälfte, nämlich 436.100 Personen, waren Familienarbeitskräfte in Einzelunternehmen. Weiterhin arbeiteten 229 300 ständig angestellte Arbeitskräfte und 271.500 Saisonarbeitskräfte in den landwirtschaftlichen Betrieben.

Von diesen Arbeitskräften werden zunehmend auch andere Tätigkeiten ausgeführt, mit denen die Betriebe neben der landwirtschaftlichen Primärproduktion zusätzliches Einkommen generieren. Im vergangenen Jahr gaben rund 111.700 Betriebe (42 %) an, Umsätze aus zusätzlichen, auf dem Hof betriebenen Aktivitäten zu erwirtschaften, gegenüber 31 % vor zehn Jahren. Bei mehr als einem Fünftel dieser Betriebe (21 %) trugen die Umsätze aus den zusätzlichen Einkommensquellen bereits die Hälfte oder mehr zum Gesamtumsatz des jeweiligen Betriebes bei, im Jahr 2010 traf dies erst auf 13 % der Betriebe zu.

Am häufigsten gewannen die landwirtschaftlichen Betriebe mit Einkommensalternativen ihr Zusatzeinkommen aus Arbeiten in der Forstwirtschaft (34 %) sowie in diesem Zusammenhang aus der Be- und Verarbeitung von Holz mit 13 %, gefolgt von der Erzeugung erneuerbarer Energie (31 %).

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