Schlachtbranche

Corona: Bisher wenig neue Fälle an Bayerns Schlachthöfen

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Josef Koch Redakteur Agrarpolitik
Josef Koch
am Freitag, 29.05.2020 - 09:05

An bayerischen Schlachthöfen sind bisher bei den Tests nur wenige Covid-Fälle aufgetreten. Der Vieh- und Fleischverband wirft dem Bund wilden Aktionismus vor.

Koller-Reinhold_Vieh- und Fleischverband Bayern

Die bisherigen Corona-Testergebnisse an bayerischen Schlachthöfen lassen vermuten, dass die Covid-Vorfälle beim Wiesenhof-Standort in Straubing-Bogen als Einzelfall gilt. Zu diesem Schluss kommt der Bayerische Vieh- und Fleischhandelsverband. Am Schlachthof in Straubing sind bisher 88 positiv getestete Covid-Fälle aufgetreten.

Nach Mitteilung der bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml seien nur zehn weitere Tests positiv von insgesamt 5.100 an 46 bayerischen Schlachthöfen. Dies belege laut Verband, dass die bayerischen, wie auch die meisten deutschen Schlachtbetriebe, das Thema der Bekämpfung der Coronaausbreitung von Anfang an sehr ernst genommen haben. "Früher als viele andere Betriebe haben bayerische Schlachtunternehmen bereits Hygienekonzepte erstellt und darauf geachtet, dass Teams gebildet und Mund-Nasen-Bedeckungen getragen werden, wo ein Sicherheitsabstand von 1.5 Metern nicht immer eingehalten werden kann," sagt der stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Vieh- und Fleischhandelsverbandes, Reinhold Koller.

Gezielte Maßnahmen wären angebrachter als pauschale Vorwürfe

Wenn deutschlandweit nun trotzdem sehr wenige Betriebe eine deutliche Häufung von Coronainfektionen zu verzeichnen haben, sollte das nicht Anlass sein, wieder die ganze Branche zu diffamieren, sondern vielmehr ruhig und sachlich herauszufinden, wie die Infektionsketten trotz der Hygienekonzepte verliefen, verlangt Koller. 

Er wirft der Bundesregierung verantwortungslosen Populismus und mangelnde Loyalität gegenüber einer Branche, die noch vor wenigen Wochen als systemrelevant und essenziell für die Aufrechterhaltung der Versorgung mit Lebensmitteln bewertet wurde.

Vor allem aber Bundesarbeitsminister Heil und die für Ernährung zuständige Bundesministerin Klöckner seien aufgerufen, anstelle unsachlicher öffentlicher Kritik einen internen Dialog mit der Branche auf der Grundlage von Fakten zu führen.

"Gerade von einer Bundesministerin, die das Ressort „Ernährung“ verantwortet, hätten wir uns in der Debatte der Behauptungen und populistischen Forderungen von Arbeitsminister Heil Rückenstärkung und nicht öffentliche Angriffe erwartet. Wissen die Minister der Bundesregierung einschließlich Kanzlerin Merkel überhaupt mit Gewissheit, dass nicht beispielsweise ihre eigenen Büros durch Putzkolonnen in Werkverträgen gereinigt werden?", fragt Koller.