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Verbandspolitik

Copa: Christiane Lambert folgt Rukwied

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 18.09.2020 - 14:32

Erstmals in der Geschichte der europäischen Bauernverbände (Copa) ist eine Frau an die Spitze gewählt worden. Sie ist Präsidentin französischen Bauernverbands FNSEA.

Christiane Lambert (FNSEA, Frankreich) wurde heute von den Mitgliedern zur neuen Präsidentin von Copa gewählt. Sie übernimmt damit für die nächsten zwei Jahre die Führung des europäischen Bauernverbands. Lamberts Amtsantritt fällt in eine wichtige Zeit, da in den kommenden Monaten entscheidende Beschlüsse
gefasst werden, beginnend mit dem nächsten Haushalt der Union und der künftigen GAP.

Lambert tritt die Nachfolge Joachim Rukwieds (DBV) an, der den Verband in den letzten drei Jahren geleitet hatte. Es wurden zudem sechs neue stellvertretende Präsidenten gewählt.

„Das Vertrauen, das meine europäischen Kolleginnen und Kollegen in mich setzen, ehrt mich. Aber ich weiß auch um die Aufgaben, die mit dieser Präsidentschaft einhergehen", so die Copa-Präsidentin.

Die Landwirtinnen und Landwirte in ganz Europa seien in Sorge. Sei es die GAP, die Strategie „Vom Hof auf den Tisch“, der Grüne Deal, das Brexit-Verfahren oder der Wiederaufbauplan. Die Copa muss in naher Zukunft auf EU-Ebene gemeinsame Antworten finden. Lambert ist überzeugt, dass die Landwirtschaft für Europa ein Sektor von strategischer Bedeutung ist. Die Coronakrise hat dies deutlich gezeigt. Europa müsse wieder an seine landwirtschaftlichen Ambitionen anknüpfen.

Enttäuscht ist die neue Copa-Präsidentin, dass die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der EU am vergangenen Mittwoch (16.9.20020), die Landwirte und deren Leistung für die Versorgungssicherheit nicht erwähnt habe.

 

Green Deal und Agrarreform als wichtige Aufgaben

Christiane Lambert, die im Département Maine et Loire einen Schweinezuchtbetrieb führt, will auf der Arbeit ihres Vorgängers Joachim Rukwied aufbauen und die Interessen aller europäischen Landwirtinnen und Landwirte mit Stolz verteidigen.

Als neue Präsidentin von Copa listete sie einige Top Prioritäten ihrer Amtszeit auf, darunter an erster Stelle einen angemessenen Lebensunterhalt für Landwirtinnen und Landwirte. Dieser sei die Grundvoraussetzung für die Verwirklichung der „ extrem hohen, manchmal unerreichbar scheinenden Ambitionen der EU.

Mit Blick auf den Grünen Deal sagte Christiane Lambert: „Wir von Copa sind überzeugt davon, dass die europäische Landwirtschaft in der Lage ist, gleichzeitig produktiv, wettbewerbsfähig und nachhaltig zu sein." Allerdings brauchen die Landwirte wirtschaftliche Perspektiven, so Lambert. Es sei schwierig grüner zu werden, wenn man in den roten Zahlen stecke.

Die GAP und der Grüne Deal müssen ein Produktionsziel für die EU festschreiben, damit sie für alle Menschen, alle Märkte und jeden Geldbeutel rückverfolgbarkeits und gesundheitstechnisch tadellose Lebensmittel bereithält. Europa muss die Produktion als solche schützen und darf den Agrarsektor nicht auf einen Weg in Richtung Reduzierung zwingen."
 

Faire Regeln bei Handelsabkommen nötig

Zum Mercosurabkommen erklärte Lambert, dass sie das Konzept der Offenen Strategischen Autonomie befürworte, das durch den ehemaligen Kommissar Phil Hogan als kohärenterer Ansatz zur Verteidigung des europäischen Produktionsmodells vorgestellt worden war. Lambert ist für Handel, aber mit fairen Regeln.

Abschließend machte sie deutlich, dass sie auf EU-Ebene auch gegen falsche Vorstellungen und die negative Darstellung der Landwirte vorgehen werde. Sie rief zu einem Dialog mit allen Interessensvertretern, auch mit Landwirtschaftskritikern, auf.

Präsidentin Christiane Lambert wird in ihrer Arbeit durch folgende sechs stellvertretende Präsidenten unterstützt, die ebenfalls heute gewählt wurden:

  • Tim Cullinan (IFA, IE),
  • Palle Borgström (LRF, SE),
  • Massimiliano Giansanti ( Confagricoltura, IT),
  • Pedro Gallardo (ASAJA, ES),
  • Mladen Jakopović (HPK, HR)
  • Roomet Sõrmus (EPKK, EE).