Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Ernährungssicherung

CO2-Mangel: Geht den Bayern das Bier aus?

Bier-Bayern
Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 09.09.2022 - 15:47

Weil die Düngerindustrie weniger Dünger herstellt, bekommen Brauereien und Molkereien keine Kohlensäure. Droht flächendeckend ein Produktionsstopp?

Auch das noch. Kurz vor dem Start des Oktoberfestes könnte in Bayern das Bier knapp werden, und schlimmstenfalls ausgehen. Das befürchtet unter anderem Bernhard Pohl, stellvertretender Vorsitzender der Freie Wähler-Landtagsfraktion.

„Die Lage ist dramatisch! Wenn wir jetzt nicht sofort handeln, gefährden wir die Existenz einer Vielzahl von Mittelstandsbrauereien“, warnt er in einem Brief an seinen Parteikollegen und Wirtschaftsminister Aiwanger.

Das Problem betrifft laut Pohl aber auch die gesamte Getränkebranche, die Milch- und Fleischindustrie. Der Bayerische Brauerbund bestätigte ihm: Eine Vielzahl von Mittelstandsbrauereien sind von dem Problem betroffen und müsse kurzfristig sogar die Produktion von alkoholfreien Getränken einstellen müssen. Weniger Bier bedeutet aber auch einen schlechteren Absatz für die Braugerste.

Düngerindustrie ist die Ursache

Die Mangellage ist entstanden, weil die Düngemittelhersteller europaweit ihre Produktion um 90 Prozent heruntergefahren haben. Aufgrund der aktuell explodierenden Gaspreise ist eine kostendeckende Produktion von Dünger nicht möglich. Bei der Herstellung von N-Dünger entsteht als Nebenprodukt Kohlensäure, die zur Getränkeherstellung benötigt wird, aber auch zur Konservierung von Lebensmitteln wie Milch und Fleisch, nicht zuletzt auch bei der Schlachtung von Schweinen.

Brandbrief an Aiwanger

In seinem Brandbrief an Aiwanger appelliert Pohl, umgehend bei Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) zu intervenieren, damit die Düngemittelproduktion wieder hochgefahren wird. Als Heilmittel sieht Pohl den direkten Eingriff in die Gaspreise zu Gunsten der Düngemittelhersteller „Wir brauchen jetzt zusätzlich zur Strompreisbremse für die Industrie einen Gaspreisdeckel“, fordert der Landtagsabgeordnete. Aus dessen Sicht löst das fünf Milliarden Euro-Hilfsprogramm für energieintensive Industrie aus dem Juli das Problem nicht. Sie mildert nur Liquiditätsengpässe. So müsse man die Wettbewerbsfähigkeit der Produkte am Markt sicherstellen, anstatt notleidende Unternehmen mit Zuschüssen zu versorgen.

Auch die Landwirtschaft könnte laut Pohl von der Gaspreisbremse profitieren, wenn die Düngerindustrie wieder mehr Ware produzieren kann.