Internationaler Handel

China streicht Strafzölle auf Schweinefleisch und Soja aus den USA

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aiz
am Freitag, 20.09.2019 - 10:22

Dies wird als Signal zur Annäherung im Handelsstreit mit Trump gewertet.

Peking, - Im Handelskonflikt mit den USA hat China wie angekündigt den Import von Schweinefleisch und Sojabohnen aus den Vereinigten Staaten erleichtert. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete laut Dow Jones News, die Strafzölle auf einige landwirtschaftliche Erzeugnisse aus den USA seien vorerst gestrichen. Beide Handelspartner wollen im Oktober ihre Gespräche über den Abbau von Strafzöllen wieder aufnehmen. Ende vergangener Woche hatte Peking bereits angekündigt, den verstärkten Kauf von US-Agrarprodukten wie Schweinefleisch und Sojabohnen prüfen zu wollen. Die Ausnahme von den zusätzlichen Zöllen ist ein weiteres Signal der Annäherung der beiden größten Volkswirtschaften.

China kauft bereits wieder mehr US-Schweinefleisch

Chinesische Käufer haben bereits in der Woche bis 5. September 10.900 t US-Schweinefleisch gekauft. Dies geht aus dem wöchentlichen Exportverkaufsbericht des US-Agrarministeriums hervor. Es ist der erste größere Kauf von US-Schweinefleisch aus China seit fast einem Monat.

Schweinefleisch und Sojabohnen sind wichtige Exportgüter für die USA. Vor Inkrafttreten der chinesischen Vergeltungszölle war die Volksrepublik für die US-Farmer ein bedeutender Absatzmarkt. Der Handelsstreit belastet deshalb viele US-Landwirte, die wiederum häufig aus Bundesstaaten stammen, die bei der vergangenen Wahl mehrheitlich für Trump gestimmt hatten. Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt haben sich seit dem vergangenen Jahr gegenseitig mit massiven Strafzöllen auf Produkte im Gesamtwert von mehreren hundert Milliarden Dollar überzogen. Die Auswirkungen bekommt nicht nur die Wirtschaft der beiden Länder zu spüren, der Konflikt belastet die Konjunktur weltweit. Trump hatte gedroht, bis zum Jahresende nahezu alle chinesischen Importe in die USA mit Strafzöllen zu belegen. Er kritisierte vehement das Handelsdefizit der USA mit China und warf dem Land unlautere Praktiken wie den Diebstahl geistigen Eigentums vor.

Schweinepest führt zu erhöhtem Importbedarf

China hat allerdings nicht nur wegen des Handelskonflikts mit den USA Interesse an erhöhten Importen von Schweinefleisch. Am 1. August 2018 meldete Peking den ersten Fall Afrikanischer Schweinepest (ASP) aus der Nordostprovinz Liaoning an die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE). Seither hat sich die Tierseuche rasant ausgebreitet und wütet vor allem in den südlichen Landesteilen, von wo sie auch auf Vietnam übergriff. Rund 1,2 Mio. Schweine sind laut Regierungsangaben gekeult worden - was bei einer Jahresproduktion von etwa 700 Mio. Tieren jedoch fast vernachlässigbar wäre. Anderen Quellen zufolge sollen jedoch zwischen 150 und 200 Mio. Schweine getötet worden sein, berichtet Dow Jones News.

Die chinesische Schweinefleischerzeugung wies laut Expertenschätzungen im ersten Halbjahr 2019 bereits ein Minus von 5,5% auf. Im Gesamtjahr 2019 soll die Produktion nur noch rund 50 Mio. t erreichen, das entspräche einem Einbruch um 7,4%. Daraus resultiert ein erhöhter Importbedarf. Gleichzeitig ist mit stark steigenden Schweinefleischpreisen zu rechnen. Das Landwirtschaftsministerium spricht von einer Preiserhöhung von bis zu 70% im zweiten Halbjahr 2019 gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode. Dies könnte den Konsumentenpreisindex weiter nach oben treiben.

Behörden reagieren mit Maßnahmenbündel

Die chinesischen Behörden reagieren auf diese Situation mit einem Bündel von Maßnahmen. Zuerst wurde, neben der Einrichtung von Sperrzonen, der Transport lebender Schweine stark eingeschränkt. Bislang war es gängige Praxis, die Tiere zu bestimmten Schlachtzentren zu transportieren. Ob es künftig mehr regionale Schlachtkapazitäten geben soll, ist allerdings nicht bekannt. Weiters sind die Behörden bestrebt, größere und damit besser kontrollierbare Schweinehaltungsbetriebe aufzubauen. Tatsächlich sind etwa die Hälfte aller chinesischen Schweinefarmen kleiner als 500 Tiere. Nicht selten halten Bauern lediglich ein oder zwei Schweine.

Die chinesischen Schweinefleischimporte dürften 2019 auf etwa 2 Mio. t steigen. Das ist zwar deutlich mehr als im Vorjahr, genügt aber nicht, um die in der Inlandsproduktion entstandene Lücke zu füllen. Wichtigstes EU-Herkunftsland von Schweinefleisch war in den ersten sechs Monaten 2019 Spanien, gefolgt von Deutschland. Insgesamt wurde in den ersten sechs Monaten 2019 mit 818.700 t um 26% mehr Schweinefleisch eingeführt als in der Vorjahresperiode. Derzeit ist Peking bestrebt, sich neue Fleischlieferanten zu erschließen. So hat das Land im August mit Kolumbien ein Abkommen zum Import von Rindfleisch abgeschlossen. Ein weiteres Abkommen für Schweinefleisch steht vor dem Abschluss, mit ersten Lieferungen aus Kolumbien sei 2020 zu rechnen, wird betont.