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Neuer Landwirtschaftsminister

Cem Özdemir übers Traktorfahren und Mistgabeln

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Redaktion Wochenblatt
am Dienstag, 28.12.2021 - 10:08

Im Interview mit der „Bild am Sonntag“ gibt der neue Landwirtschaftsminister überraschende Einblicke.

Özdemir

Der neue Landwirtschaftsminister Cem Özdemir geht davon aus, dass er künftig auch mal landwirtschaftliche Zugmaschinen lenken wird. Auf die Frage, ob er Traktor fahren könne, sagte er in der „Bild am Sonntag“: „Ja, ganz unbeleckt bin ich nicht.“ Er sei schon Traktor gefahren und gehe davon aus, dass er das jetzt öfter tun werde.  „Und da freue ich mich schon drauf.“

Auch eine Kuh habe er schon gemolken und wisse daher, „wie anstrengend das sein kann“. Ob er schon mal eine Mistgabel in der Hand hatte? „Nur für Fotos“, lautet seine Antwort.

Hätte Olaf Scholz in seiner Regierungserklärung mehr und positivere Aussagen zur Landwirtschaft treffen sollen?

Choices

Die CDU kann´s nicht mehr verbieten

Auf die Frage, ob er schon mal selbst was angebaut habe, witzelt Özdemir: „Ich ahne, worauf Sie hinauswollen…“. Die Folgefrage, ob es bald große Hanfplantagen in Deutschland geben wird, beantwortet er so: Viele Bäuerinnen und Bauern stünden in den Startlöchern, um Hanf anzubauen, meint der Landwirtschaftsminister. Bekanntlich will die Ampel-Koalition Cannabis legalisieren, also eine „kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizensierten Geschäften erlauben“, wie es im Koalitionsvertrag heißt.

Sobald der Bundestag das Gesetz verabschiedet, wird die Landwirtschaft laut Özdemir auch diese Nutzpflanzen anbauen. „Die CDU kann es uns ja nun nicht mehr verbieten“, schiebt er hinterher.

Hat er keine Sorge vor möglichen schädlichen Folgen bei der Drogenfreigabe? „Niemand soll sich die Birne wegkiffen, aber ich freue mich, dass der Irrsinn des Cannabis-Verbots endlich endet“, erklärt der Grünen-Politiker. Eine Legalisierung, wie sie jetzt geplant sei, stärke den Jugend- und Verbraucherschutz und entlaste die Polizei, die sich auf den Schwarzmarkt mit harten Drogen konzentrieren könne.

Özdemir hat drei wichtige Ziele

Den früheren Ressortchefs warf er im Interview Versäumnisse vor: Die Vorgängerregierungen hätten in der Landwirtschaftspolitik 16 Jahre blockiert und verschleppt und „lediglich politische Kosmetik betrieben“. Als Beispiel nannte er die Lebensmittelpreise: Zwar dürften Lebensmittel kein Luxusgut werden. Doch der Preis müsse „die ökologische Wahrheit stärker ausdrücken“.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert einen finanziellen Ausgleich für Arme, wenn Lebensmittel teurer werden. Der Geschäftsführer des Verbandes, Ulrich Schneider, sagte in der „Welt“ mit Blick auf Sozialhilfeempfänger, Preissteigerungen müssten mit deutlich erhöhten Regelsätzen einhergehen.

Für Özdemir gibt es drei wichtige Ziele: ein sicheres und gutes Einkommen für die Bauern, gesundes Essen für alle sowie mehr Tierwohl, Klima- und Umweltschutz. Und er gab ein Versprechen ab: Ab jetzt werde geliefert. „Ab  jetzt ist das Wort des Bundeslandwirtschaftsministers eines, das ernst gemeint ist“, erklärte er.

 

Mit Material von Bild am Sonntag