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Cem Özdemir wird neuer Bundesagrarminister

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 25.11.2021 - 21:50

Kaum in der Regierung, schon sorgen die Grünen für die erste Überraschung. Cem Özdemir wird neuer Agrarminister in Berlin. Steffi Lemke Umweltministerin.

Özdemir-Cem

Das ist eine faustdicke Überraschung. Cem Özdemir (55) wird neuer Landwirtschaftsminister in Berlin. Das haben die Grünen nach intensiven Verhandlungen am späten Abend (25.11) ihren Mitgliedern mitgeteilt. Hinter den Kulissen war ein Machtkampf zwischen den Realos und dem linken Flügel ausgebrochen. Gegen Özdemir sprach, dass er in ein ausgewogenes Tableau nicht passen könnte, er ist männlich und gehört dem Realos-Flügel an, zu dem zählten auch Annalena Baerbock (Außenministerin) und Robert Habeck (Wirtschafts- und Klimaschutzminister). Formell müssen die Parteimitglieder die Ministerliste noch bestätigen.

Lange Zeit galt Steffi Lemke (53) aus Sachsen-Anhalt als heiße Favoritin für das Agrarressort. Sie übernimmt nun das Umweltministerium. Anton Hofreiter aus Bayern erhält kein Ministeramt. Denn Anne Spiegel, Rheinland-Pfalz, bekommt das fünfte grüne Ministerium, das Bundesfamilienministerium. Hofreiter zählt zum linken Flügel, ist aber wie Özdemir auch männlich.

Berührungspunkte mit der Landwirtschaft hatte Özedmir bisher allerdings kaum. Als erster Grüner war er 2014/2015 „Botschafter des Bieres“ des Deutschen Brauer-Bundes. Kurz darauf fungierte er als „Botschafter des Deutschen Brotes“. Unter anderem hat er auch ein Buch "Currywurst und Döner – Integration in Deutschland" verfasst. Laut Wikipedia ist er Vegetarier.

Fraktionsvorsitz an Hofreiter verloren

1981 wurde Özdemir Mitglied der Grünen. Er hat seine politische Heimat im Grünen-Kreisverband Ludwigsburg. Im selben Jahr beantragte er die deutsche Staatsangehörigkeit, die er nach dem Erreichen der Volljährigkeit im Alter von 18 Jahren erhielt. Von 1989 bis 1994 war er im Grünen-Landesvorstand von Baden-Württemberg. Sein politisches Hauptthema fand er in der eigenen Biografie: „Migranten in Deutschland“.

Özdemir ist verheiratet und hat zwei Kinder. Bisher war er Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss.

In seiner Vita steht: „Er ist zwar gut zu Fuß, aber eingewandert ist er dennoch nicht: geboren ist Cem Özdemir am 21.12.1965 im schwäbischen Bad Urach. Seine Eltern kamen Anfang der 1960er Jahre als Gastarbeiter nach Deutschland und haben sich hier kennengelernt. Wenn man so will, ist Cem Özdemir ein Produkt des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens.“

Als Erzieher ausgebildet, schloss er 1994 sein Studium der Sozialpädagogik an der Evangelischen Fachhochschule für Sozialwesen in Reutlingen ab.

Bei der Bundestagswahl 2021 gewann Özdemir erstmals das Direktmandat im Wahlkreis Stuttgart I mit 40,0 % der Erststimmen, vor Stefan Kaufmann (CDU), auf den 23,4 % der Erststimmen entfielen.Er war von November 2008 bis Januar 2018 Bundesvorsitzender seiner Partei und gemeinsam mit Katrin Göring-Eckardt grüner Spitzenkandidat zur Bundestagswahl 2017. 2019 kandidierte Özdemir erfolglos für das Amt des Vorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion. Das sicherte sich damals unter anderem Anton Hofreiter.

Lemke übernimmt Umweltministerium

Lemke-Steffi

Steffi Lemke gehörte dem Bundestag bereits von 1994 bis 2002 an. Anschließend war sie Politische Geschäftsführerin der Grünen. 2012 kehrte sie in den Bundestag zurück.

Die Diplomagraringenieurin war in ihren ersten Jahren als Abgeordnete Mitglied im Ernährungsausschuss. Seit 2013 ist sie stellvertretendes Mitglied. Ihr Schwerpunkt ist seither die Umweltpolitik. Zuletzt war Lemke Sprecherin für Naturschutzpolitik ihrer Fraktion. Die 53-Jährige stammt aus Dessau in Sachsen-Anhalt.

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