Schutzzentrum

Bundeszentrum Weidetiere und Wolf gegründet

Wolfsrudel-Wolf
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Donnerstag, 01.04.2021 - 05:03

Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner hat ein von ihr gegründetes ‚Bundeszentrum Weidetiere und Wolf‘ In Eberswalde eröffnet.

Aufgabe des Zentrums ist es, praxisgerechte Lösungen und Möglichkeiten der Koexistenz von Weidetieren und Wolf zu erarbeiten und Konflikte zu verringern.

Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland betrachtet das Ministeriums als einen Erfolg des Artenschutzes. Doch alle drei bis vier Jahre verdoppelt sich der Wolfsbestand. Durch die vermehrte Ausbreitung nehmen auch Wolfsrisse zu: Die Anzahl von verwundeten und getöteten Tiere ist von 40 Tieren im Jahr 2006 auf rund 2.900 Tiere im Jahr 2019 angestiegen. Mit 86 Prozent überwiegen dabei Angriffe auf Schafe und Ziegen.

Das verunsichere auch die Menschen vor Ort. Um diesen Konflikt zu entschärfen, habe man das neue ‚Bundeszentrum Weidetiere und Wolf‘ gegründet

Aufgaben des Bundeszentrums

  • Erstellung einer jährlichen, länderübergreifenden Übersicht der angewandten Herdenschutzmaßnahmen (Zaun, Herdenschutzhunde) insbesondere in Wolfsgebieten, einschließlich der Erfassung der bei diesen Maßnahmen dennoch stattgefundenen Übergriffe – mit Ursachenforschung.
  • Optimierung von angewandten Schutzmaßnahmen unter anderem durch Rückkopplung mit Vertretern der Wissenschaft, Wirtschaft, betroffenen Praktikern und Verbänden.
  • Entwicklung neuer Forschungsprojekte zu Herdenschutzmaßnahmen, auch unter Nutzung der Digitalisierung.
  • Optimierung von Abläufen nach einem Wolfsübergriff sowie Verbesserung der Verfahren der Entschädigungspraxis in Zusammenarbeit mit den Ländern.
  • Klärung von Finanzierungsfragen des Herdenschutzes.
  • Förderung des Dialogs zwischen Weidetierhaltern, den Verbänden des Naturschutzes und der Öffentlichkeit.
  • Rechtliche Klärung der naturschutzrechtlichen Einstufung des Wolfes sowie strategische Überlegungen zur Regulierung.

Das Bundeszentrum ist Teil der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Das Zentrum wird für 2021 und 2022 mit jeweils 300.000 Euro und drei Vollzeitstellen ausgestattet.

Rukwied kritisiert fehlendes Wolfsmanagement in Deutschland

„Die bisherigen Regelungen im Bundesnaturschutzgesetz zur Regulierung von Wölfen sind für den Schutz der Weidetierhaltung faktisch nutzlos und bleiben weit hinter dem europarechtlich Machbaren zurück. Das zeigt der Vergleich zum Wolfsmanagement in anderen europäischen Staaten wie Schweden und Frankreich. Unsere Weidetierhalter haben die Erwartung, dass das bestehende europäische Naturschutzrecht jetzt endlich umgesetzt wird. Vor allem müssen Wölfe und Rudel, die wiederholt Weidetiere reißen, konsequent entnommen werden“, sagte Rukwiek anlässlich der Eröffnung des Zentrums

Die Einrichtung eines Bundeszentrums Weidetiere und Wolf sei richtig und greife die Forderung des DBV auf, die mit der Ausbreitung der Wölfe in Deutschland auftretenden existentiellen Probleme bei der Haltung von Schafen, Ziegen, Rindern, Pferden und anderen Weidetieren endlich zu beheben. Das Bundeszentrum dürfe sich aber nicht auf Fragen des Zaunbaus und Herdenschutzes beschränken, sondern müsse auch die Regulierung des Wolfes mit einbeziehen. Echter Herdenschutz gehe nur mit aktivem Wolfsmanagement. Wolfssichere Zäune gebe es schlichtweg nicht und Herdenschutzhunde seien nur punktuell eine Lösung. Der Deutsche Bauernverband habe daher die klare Erwartung an das Bundeszentrum Weidetiere und Wolf, dass hiermit neben einem Erfahrungsaustausch zum Herdenschutz auch der Grundstein für ein aktives Wolfsmanagement in Deutschland nach dem Vorbild anderer EU-Staaten und im Einklang mit dem EU-Recht gelegt werde, so Bauernpräsident Rukwied.