Beutegreifer

Bundesrat lockert die Regeln

Raubtier
Agra-Europe
am Mittwoch, 19.02.2020 - 14:08

Wölfe können künftig schon bei „ernsten“ Schäden geschossen werden.

Berlin - Der Abschuss von auffälligen Wölfen wird erleichtert. Der Bundesrat gab vergangene Woche grünes Licht für eine Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes. In einer Entschließung bekräftigte die Länderkammer außerdem ihre Forderung nach Einführung einer Weidetierprämie. Auf diese Weise werde die gesellschaftlich anerkannteste Form der Nutztierhaltung angemessen gefördert und zugleich mit der Unterstützung der Weidetierhaltung ein wesentlicher Beitrag zum Natur-, Arten-, Hochwasser- und Klimaschutz und zum Schutz der biologischen Vielfalt geleistet.

Die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Gitta Connemann, begrüßte den Bundesratsbeschluss als längst überfällig und mahnte eine weitergehende Regelung als Voraussetzung für eine Bestandsregulierung an. Connemann sprach sich dafür aus, die FFH-Richtlinie eins zu eins umzusetzen. Damit würde ihren Angaben zufolge ein gemäßigtes, behördlich kontrolliertes Bestandsmanagement möglich.

Widerspruch gegen Natur- und Artenschutzrecht

Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsministerin Prof. Claudia Dalbert kündigte an, an der bisherigen Linie festzuhalten. Der Abschuss einzelner, nicht identifizierter Mitglieder eines Rudels widerspreche dem europäischen Natur- und Artenschutzrecht, das durch das jüngst ergangene Urteil des Europäischen Gerichtshofs bestätigt worden sei, erklärte die Grünen-Politikerin.

Nach der Neuregelung ist der Abschuss eines Wolfs bereits zur Abwehr „ernster“ Schäden zulässig. Bislang sprach das Gesetz von „erheblichen“ Schäden. Damit sollen auch Hobbytierhalter geschützt werden. Ausdrücklich erlaubt ist der Abschuss künftig auch dann, wenn unklar ist, welcher Wolf Herdentiere angegriffen hat. Hören die Nutztierrisse nicht auf, ermöglicht das Gesetz, weitere Rudeltiere zu töten. Voraussetzung ist allerdings, dass es einen räumlichen und zeitlichen Zusammenhang zu dem Rissereignis gibt.

Mischlinge aus Wolf und Hund, sogenannte Hybride, sollen ebenfalls geschossen werden können. Die Länderbehörden müssen jeden Abschuss einzeln genehmigen.

Zum Abschuss berechtigt ist grundsätzlich die Jägerschaft. Für den Fall, dass der Abschuss ausnahmsweise nicht durch einen Jäger erfolgt, muss dieser zuvor darüber informiert werden. Nur bei Gefahr im Verzug ist die Benachrichtigung nicht erforderlich. Ausdrücklich verboten wird das Füttern und Anlocken wildlebender Wölfe. Dies soll verhindern, dass die Tiere sich an den Menschen gewöhnen.