Jagdrecht

Bundesjagdgesetz: Wald oder Tiere?

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 05.11.2020 - 14:46

Die Kritik am Bundesjagdgesetz reißt nicht ab. Tierschützer sorgen sich ums Rehwild, die Grünen wollen dagegen mehr Wild töten, um den Wald zu schützen.

Sommer

Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert, dass die Novelle des Bundesjagdgesetzes notwendige und wichtige Aspekte des Tierschutzes weiter außen vorlässt. Damit habe das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die Chance vertan, das seit 2002 bestehende Staatsziel Tierschutz auch in der Jagdgesetzgebung zu verankern. Gestern hatte das Bundeskabinett dem Entwurf zur Änderung des Bundesjagdgesetzes zugestimmt.

Die Tierschützer beklagen, dass der Bund beim Aufbau und Schutz von klimastabilen Mischwäldern verstärkt auf Abschüsse setze. Das bringe in der Praxis erhebliche Tierschutzprobleme mit sich. Zudem fielen nun auch forstliche Monokulturen und Plantagen unter denselben Schutz wie naturnahe Waldgebiete.

"Also sterben künftig mehr Rehe allein aufgrund wirtschaftlicher Aspekte, ohne dass dem Wald an sich geholfen ist“, kritisiert James Brückner, Leiter des Referats für Natur- und Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund.

Neue Technik wenig hilfreich

Darüber hinaus werden nun auch Nachtsicht- und Nachtzielgeräte zur Bejagung von Wildschweinen oder von als invasiv eingestuften Arten wie dem Waschbären zugelassen.

„Beim Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest oder gegen die Ausbreitung gebietsfremder Arten wird das jedoch kaum helfen. Stattdessen wird es zu weiteren Fehlschüssen und einer zusätzlichen Beunruhigung aller Wildtiere am Abend und in der Nacht führen“, so Brückner. Auch ein möglicher Missbrauch der Technik sei nicht auszuschließen.

Grüne monieren zu geringen Abschuss

Für die Grünen werden dagegen die Wildbestände durch den Gesetzentwurf immer noch zu stark geschützt. Nach Meinung von Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss hat es Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) selbst im Angesicht des Waldsterbens nicht geschafft, konsequente Schritte durchzusetzen, um eine natürliche und artenreiche Verjüngung der gestressten Wälder zu forcieren.

Laut Häusling müssen die Bestände an Rehwild und an Rothirschen in vielen Bereichen reduziert werden. Das aber sei mit dem im Bundeskabinett vorgelegten Entwurf für ein neues Jagdrecht nur bedingt möglich."Offenbar hat sich die Jagdlobby erfolgreich durchgesetzt, um die Wildbestände hochzuhalten", mutmaßt der grüne Politiker.

Er sieht vor allem die möglichen Obergrenzen und einen zahlenmäßigen „Korridor“ in den Abschussplänen kritisch, innerhalb dessen die Bestände reguliert werden dürfen. "Da im Regelfall der Wildbestand stets zu klein gerechnet wird, bleibt es auch künftig bei hohen Wildbeständen und waldschädigenden Verbiss- und Schälschäden. Sie aber verhindern den gerade im Klimawandel nötigen artenreichen Wald", so Häusling.

Laut dem EU-Abgeordneten bereitet das Rotwild örtlich ungleich größeren Probleme im Wald und auf umliegenden Felder. Diese Wildtierart aber wird wegen der Trophäe gehätschelt. "Klöckner will sich daran nicht die Finger verbrennen", meint der grüne Politiker.