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Welternährung

Bund rechnet weiter mit teuren Dünge- und Pflanzenschutzmitteln

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 05.05.2022 - 14:37

Regierung sieht keine Probleme für Produktionssicherheit in diesem Jahr. Für Aussetzen der Stilllegung 2023 verweist sie auf Brüssel.

Pflanzenschutz-Getreide-Raps

Auch wenn die Bundesregierung für das nächste Wirtschaftsjahr keine belastbaren Einschätzungen für möglich hält, hält sie es für sehr wahrscheinlich, dass die Dünge- und Pflanzenschutzmittelmärkte weiterhin durch Knappheit geprägt sind. Der intensive weltweite Wettbewerb um das begrenzte Angebot werde für ein hohes Preisniveau sorgen, heißt es in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor.

Umso wichtiger ist es daher aus Sicht der Ampelregierung, die Abhängigkeit der heimischen Agrarproduktion von energieintensiven Zukäufen schrittweise zu verringern. Gleichzeitig betont sie, die die Auswirkungen des Krieges gegen die Ukraine auf die Landwirtschaft und Ernährungssicherung in der EU und weltweit laufend im Blick zu behalten. Falls erforderlich will sie geeignete Maßnahmen ergreifen, um die heimische Landwirtschaft und wichtige Lieferketten zu unterstützen. Konkrete Maßnahmen nennt sie aber nicht.
 

Stilllegung: Berlin schiebt Verantwortung auf Brüssel

So bleibt sie auch sehr vage, was ein Aussetzen der 4%-igen Flächenstilllegung ab 2023 angeht. Sie verweist auf die Zuständigkeit der EU-Kommission, die dazu den Rechtsakt anpassen müsse. In der Antwort lässt der Bund offen, ob er sich auf EU-Ebene für ein Aussetzen stark machen wird.

Zudem würden die Landwirte selbst entscheiden, ob sie weitere Flächen freiwillig stilllegen. So erfüllen Brachen und Landschaftselemente wie Hecken laut Ampelregierung wichtige Funktionen, um die Biodiversität in den Agrarlandschaften zu erhalten.

Sichere Produktion gewährleistet

Aktuell sieht der Bund die Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse in Deutschland, trotz der Entwicklungen auf den Agrarmärkten, als stabil und gesichert. Welche Folgen ein möglicher Lieferboykott russischen Gases für die Agrarbranche hat, thematisiert sie nicht.

Allerdings bemerkt der Bund in seiner Antwort, eine verringerte Verwendung von Mais und Raps als Futtermittel oder Kraftstoff könne die Verfügbarkeit in anderen Verwendungsbereichen erhöhen. Umweltministerin Steffi Lemke hatte jüngst ja angekündigt, für weniger Getreide und Raps im Tank sorgen zu wollen. Gleichzeitig isst Deutschland für ein Boykott von russischem Öl. 

Ukrainische Import schon länger rückläufig

Zwar sei die Ukraine für eine Reihe von Agrarrohstoffen bisher eine wichtige Exportnation. Gleichwohl seien Deutschlands Importmengen von Mais, Raps und pflanzlichen Ölen von 2019 bis 2021 gesunken. So beliefen sich die vorläufigen Zahlen bei Rapsimporten auf 702.000 t in 2021 gegenüber 905.000 t in 2019. Bei Mais sanken die Einfuhren auf 190.000 t gegenüber knapp 1,6 Mrd. t von vor zwei Jahren. Zudem kämen andere Exportländer für Ersatzlieferungen in Frage. Darüber hinaus könne Mais in vielen Verwendungen durch andere Futtergetreidearten und auch Raps und Sonnenblumenöl durch andere Ölsaaten ersetzt werden.

Zudem setzt die Regierung auf den Markt, um die fehlenden ukrainischen Lieferungen zu ersetzen. So hätten sich zuletzt die relativen Preise unter den Ackerfrüchten, aber auch in Bezug auf Betriebsmittel deutlich verändert. Dies seien die Signale, nach denen die Landwirte und die verarbeitenden Unternehmen ihre Produktionsentscheidungen treffen würden. Dennoch werde die Bundesregierung gemeinsam mit den EU-Mitgliedstaaten und der EU-Kommission die Märkte für landwirtschaftliche Erzeugnisse und für Betriebsmittel aufmerksam beobachten. Man beabsichtige aber nicht, diesbezüglich Maßnahmen zu ergreifen, um die Selbstversorgung zu erhöhen.

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