Schweinemarkt

Brüssel lässt Schweinebauern ausbluten

Josef Koch
Josef Koch
am Dienstag, 12.10.2021 - 15:44

Brüssel wird den Schweinebauern in ihrer schweren Krise nicht unter die Arme greifen. Nationalstaaten sollen dies stattdessen tun.

Schweinehalter-Ferkel

Schweinebauern können nicht mit Hilfen aus Brüssel rechnen, um die derzeitige schwere Krise zu meistern. Das machte EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski bei der Ratssitzung in Luxemburg klar.

Er schmetterte damit die Initiative Belgiens und anderer EU-Länder ab. Belgien forderte die EU-Kommission auf, Hilfspakete für die Schweinefleischerzeuger zu prüfen. Unterstützt wurde dieser Vorstoß von Frankreich, Deutschland, Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Tschechien, der Slowakischen Republik, Griechenland, Zypern, Malta, Luxemburg, Kroatien, Finnland, Litauen und Lettland.

Zwar wurde eine Öffnung der Privaten Lagerhaltung (PLH) im Vorbereitungstext nicht direkt angesprochen, aber von einigen EU-Mitgliedstaaten zur Stützung der Preise durchaus gewünscht.

Agrarkommissar rät zu nationalen Hilfen

"Hilfen der EU würden die Anpassungsreaktion der Schweinefleischerzeuger nur verzögern", argumentierte der EU-Agrarkommissar. Trotz der fallenden Erzeugerpreise hätten die Landwirte bisher nicht mit einer Verminderung ihrer Produktion reagiert, kritisierte Wojciechowski.

Aus seiner Sicht sollte bei allen Maßnahmen genau überprüft werden, ob sie nicht zu unerwünschten Nebenwirkungen führten. Der EU-Agrarkommissar spielte dabei auf eine mögliche verzögerte Preiserholung durch die PLH an. Er gab den EU-Mitgliedstaaten mit auf den Weg, unter Druck geratenen Betrieben mit nationalen Beihilfen unter die Arme zu greifen. Schließlich könnten die EU-Länder die Lage in den Regionen besser erfassen und gezielter helfen, meinte er.

Verbände fordern Ausstiegsprämie

Vor dem Hintergrund der andauernden tiefgreifenden Krise in der deutschen Schweinehaltung fordert der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) staatliche Hilfen für Betriebe, die diesen Betriebszweig aufgeben. Das hat der Vorstand des Verbands am Montag (11.10.) verabschiedet. Auch das Landvolk Niedersachsen sieht das nun ähnlich.

Bisher hatten sich Landvolk und WLV gegen staatliche Förderinstrumente wie eine „Umstrukturierungsprämie“ ausgesprochen. Beide Verbände unterstützen zwar die Empfehlungen des Kompetenznetzwerkes Nutztierhaltung beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zur Neuausrichtung der Tierhaltung („Borchert-Kommission“). Danach sollen die tierhaltenden Betriebe in Deutschland eine Perspektive durch Planungssicherheit, Genehmigungsfähigkeit und Finanzierung erhalten.

Für die Schweinehalter fordern Landvolk und WLV nun jedoch vehement, in der Nutztierstrategie des „Borchert-Plans“ eine Umstrukturierungsprämie/-Entschädigung für den Ausstieg aus der Tierhaltung für Schweinehalter zu verankern, die in ihren Betrieben den Umbau der Tierhaltung aus bestimmten Gründen wie Flächenknappheit, mangelndes Kapital oder ungünstiger Betriebsstandort, sonst nicht bewerkstelligen könnten.

Mit Material von aiz
Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt