Gentechnik

Breites Bündnis fordert Gentechnik strikt zu regulieren

Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 21.04.2021 - 17:00

94 Organisationen haben sich in einem Positionspapier dagegen ausgesprochen, die heute gültigen Regeln zur Gentechnik zu ändern.

Richterhammer

Am 25. Juli 2018 hat der Europäischen Gerichtshofs (EuGH) entschieden, dass neue molekularbiologische Verfahren wie die Genschere CRISPR/Cas unter das Gentechnikrecht fallen. Allerdings blieben dabei einige Fragen offen. Am 8. November haben deshalb die Mitgliedsländer der Europäischen Union die EU-Kommission aufgefordert, bis zum Frühjahr 2021 zu untersuchen, was das Urteil für Konsequenzen hat. Gegebenenfalls soll sie Maßnahmen vorschlagen.

Diese Frist läuft nun ab und die verschiedenen Interessengruppen bringen sich in Stellung. So beschwert sich der Bund Naturschutz Bayern heute (21. April) darüber, dass Industrie und Gentechnik-Befürworter sich seit Jahren dafür einsetzen würden, neue Verfahren wie CRISPR/Cas von der Gentechnik-Gesetzgebung auszunehmen. Die Absicht der Befürworter sei, die derzeitige Definition von Gentechnik aufzuweichen. Das gefährde die Sicherheit von Mensch und Umwelt und die Wahlfreiheit, die von über 80 Prozent der Verbraucher in Deutschland gefordert werde, so der BN Bayern.

Um das zu verhindern hat sich ein breites Bündnis von insgesamt 94 Organisationen zusammengefunden und ihre Sichtweisen und Forderungen in dem Positionspapier "Gentechnik auch in Zukunft strikt regulieren" niedergelegt. Die Verbände aus den Bereichen Umwelt-, Tier-, Natur- und Verbraucherschutz sowie der Landwirtschaft, Lebensmittelwirtschaft und Entwicklungspolitik fordern die Bundesregierung auf, in Deutschland und auf europäischer Ebene alle Gentechnikmethoden und die daraus entstehenden gentechnisch veränderten Organismen (GVO) weiterhin unter dem bestehenden EU-Gentechnikrecht zu regulieren und zu kennzeichnen.

Stimmen von Unterzeichnern

Das Positionspapier ist unter anderem auf den BÖLW-Internetseiten einsehbar oder beim Bund Naturschutz herunterzuladen.

Der Bund Naturschutz in Bayern (BN) als Mitunterzeichner des Positionspapiers fordert die Bayerische Staatsregierung auf, ihren Einfluss in der Bundesregierung geltend zu machen, dass sich Deutschland jeglichen Bestrebungen zum Abbau des Gentechnikrechts und seiner Vorgaben zur Zulassung und Kennzeichnung von GVO widersetzt. Die Wahlfreiheit für den Anbau und Kauf gentechnikfreier Lebensmittel müsse erhalten bleiben. „Der überfällige Umbau zu einer nachhaltigen, bäuerlich-ökologischen Landwirtschaft würde damit massiv beeinträchtigt“, befürchtet Richard Mergner, BN Landesvorsitzender.

Zusätzlich würden neue Anwendungen wie Gene-Drive-Organismen auch wildlebende Arten betreffen und deshalb ein besonders hohes Risiko für negative Folgen für Ökosysteme tragen, ergänzt Martha Mertens, vom Bund Arbeitskreises Gentechnik.

Der Bio-Spitzenverband Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) verlangt, Gentechnik auch zukünftig gemäß des Vorsorgeprinzips zu regulieren. „Nur so bleiben Transparenz, Wahlfreiheit und die Risikobewertung der manipulierten Pflanzen gesichert“, ist sich BÖLW-Vorsitzender Felix Prinz zu Löwenstein sicher. „Unsere Politik sollte Gerichtsurteile wie das Urteil des EuGHs aus 2018 respektieren“, fordert er.