Psyche

Brauchen Bauern Beistand bei "moral injuries"?

Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 27.01.2021 - 10:12

Der Begriff, der an sich aus dem Militärischen kommt, bezieht sich auf berufliche Konflikte mit den eigenen Wertevorstellungen.

Tackmann-Kirsten-Die Linke

Die Linke im Bundestag hat bei der Bundesregierung nachgefragt, ob und wenn ja, welche chronischen, moralisch-ethischen Belastungen auch in der Landwirtschaft zu psychischen Erkrankungen führen können und wie diesen vorgebeugt werden kann. Die Partei hält dies für ein drängendes Problem. Der zunehmende Druck des internationalen Dumping-Wettbewerbs schlage sich nicht nur finanziell nieder, sondern er führe gerade in Betrieben zu großen psychischen Belastungen, die nach bestem Wissen und Gewissen handeln wollen.

Thema für die Zukunftskommission Landwirtschaft

Aus dem Sprachgebrauch des Militärs gibt es dazu Begriff „moral injury“. Er findet Anwendung, wenn die seelische Überbelastung mit dem Übertreten der eigenen Wertvorstellungen zusammenhängt. Das kann traumatische Folgen haben.

Die Linke im Bundestag hätte diesen Punkt deshalb gerne in die Zukunfskommission Landwirtschaft aufgenommen. Dazu hat sie die Bundesregierung aufgefordert, auch geisteswissenschaftliche Aspekte einer Tierhaltung mit Zukunft zu untersuchen und eine Studie zu den moralischen Dilemmata zu initiieren, vor allem bei der Nutztierhaltung. Wenn Mensch, Tier und Umwelt an den bestehenden Rahmenbedingungen erkranken, liege der Fehler im System und man könne die Betroffenen nicht damit allein lassen.

An die Krankenkasse verwiesen

Die Bundesregierung verwies die Partei in diesem Punkt auf das Instrumentarium der SVLFG (Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau) zur Prävention und Begleitung psychischer Krisen.

Kirsten Tackmann, agrarpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke reicht das nicht aus. Dass die Bundesregierung zu Studien zu sogenannten „moral injuries“ in der Landwirtschaft keinen Forschungsbedarf sehe und stattdessen auf das Instrumentarium der SVLFG (Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau) zur Prävention und Begleitung psychischer Krisen verweise, zeige, wie notwendig solche Studien wären: "Denn so gut Hilfe in akuten Krisensituationen ist und selbstverständlich sein sollte, so wichtig ist es zu analysieren, ob und wenn ja welche chronischen, moralisch-ethischen Belastungen auch in der Landwirtschaft zu psychischen Erkrankungen führen können und wie diesen vorgebeugt werden kann", so Tackmann.