Schweinemarkt

Branche soll den Absatz ankurbeln

Alexandra Königer
Alexandra Königer
am Mittwoch, 15.09.2021 - 17:05

Julia Klöckner lud zu einem Treffen mit Branchenvertretern, um Lösungen für die Krise am Schweinemarkt auszuloten.

Julia Klöckner

Bei einem Treffen von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) mit Vertretern des Lebensmittelhandels, der Ernährungswirtschaft und Tierhaltern zur Krise am Schweinemarkt stand sogar eine Ausstiegsprämie für die Betriebe zur Diskussion, wie Klöckner nach dem Treffen am Mittwoch betonte. Die einhellige Meinung sei aber gewesen, davon abzusehen, es sei das falsche Zeichen an die junge Generation, zudem würde dann mehr Fleisch aus Ländern mit geringeren Standards importiert.

Stattdessen soll nun es eine Initiative zur Absatzförderung geben, um den Lagerbestand von 260.000 t Schweinefleisch zu reduzieren. Dabei gab die nordrhein-westfälische Agrarministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) zu bedenken, dass das nicht dazu führen dürfe, Fleisch für Lockvogelangebote zu missbrauchen, die Regionalität müsse im Vordergrund stehen. Klöckner verwies als Unterstützung außerdem auf die Verlängerung der Antragsfrist für Corona-Überbrückungshilfen von Oktober auf Ende Dezember. Die EU-Kommission habe Klöckner außerdem aufgefordert, kurzfristige Krisenmaßnahmen zu prüfen. Konkret gehe es darum, den Beihilfehöchstbetrag in Höhe von 20.000 € pro Betrieb, bezogen auf einen Zeitraum von drei Steuerjahren für nationale Fördermaßnahmen nach der sogenannten De-minimis-Regelung, deutlich anzuheben. Bei den Finanzämtern können die betroffenen Tierhalter Steuerstundungen beantragen. Darauf verwies Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU). „Niedersachsens Finanzämter werden das angemessen berücksichtigen“, sagte sie, die Sensibilität für die schwierige Lage der Schweinehalter sei groß. Die Landwirtschaft sei für Niedersachsen in vielfacher Weise ein wichtiger Motor. „Wir brauchen jetzt eine enorme Kraftanstrengung, damit der nicht ins Stottern gerät.“. In Niedersachsen gibt es rund 5000 Betriebe mit knapp 8,2 Millionen Schweinen.

Laut Klöckner bekannten sich die Teilnehmer des Gesprächs einhellig zum Konzept der Borchert-Kommission. Otte-Kinast drängt auf die Umsetzung, um die Zukunftsfähigkeit der deutschen Nutztierhaltung abzusichern. Bei der Agrarministerkonferenz Ende September will Niedersachsen einen Antrag einbringen, um zwischen Bund und Ländern ein abgestimmtes Vorgehen gegen die Strukturkrise zu erreichen.

Die wirtschaftliche Situation der Schweinehalter in Deutschland ist laut Landwirtschaftsministerium prekär: Niedrige Preise für Schweine und Ferkel, gestiegene Futtermittelkosten, eine kritische Absatzsituation und erhöhte Verbrauchererwartungen an Umwelt- und Tierschutz würden die Betriebe vor große Herausforderungen stellen. Die Gründe für den Absatzrückgang seien vielfältig: Zum einen gebe es wegen der ASP Exportbeschränkungen in viele Drittländer. Zudem verlief die Grillsaison wegen des schlechten Wetters schwach. Und auch die coronabedingt geringeren Absatzzahlen in der Gastronomie und bei Veranstaltungen haben ihren Anteil.