Tierwohl

Bioland unzufrieden mit staatlichem Tierwohl-Label

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Ulrich Graf Portrait 2019
Ulrich Graf
am Montag, 11.02.2019 - 14:14

Die Kritik entzündet sich vor allem daran, dass die höchste Label-Stufe nicht exklusiv der Bioerzeugung zuzuordnen ist.

"Statt das bewährte und vom Verbraucher gelernten System der Eierkennzeichnung auf den Fleischbereich anzuwenden und die höchste Label-Stufe der Bioerzeugung zuzuordnen, setzt Klöckner ein kompliziertes Kriteriensystem mit wenig Substanz für den Tierschutz durch“, bemängelt Jan Plagge, Präsident Bioland e.V.

Außerdem betrachtet der Verband die Einstiegskriterien für zu niedrig. Das Schwänzekupieren sowie das Abschleifen der Eckzähne seien in der Einstiegsstufe erlaubt, obwohl dies nach Vorgaben der EU bereits seit 2008 nur in absoluten Ausnahmefällen zulässig sein soll.

Des Weiteren stört Bioland, dass der gesetzliche und damit niedrigste Standard beim staatlichen Label nicht gekennzeichnet werde. Somit würden Verbraucher nicht erkennen, wovon sich die Stufen des staatlichen Labels abheben.

Bioland warnt Klöckner davor, für die aus Sicht des Tierwohls unzureichende Einstiegsstufe, Prämienzahlungen pro Schwein an die Landwirte zu zahlen. Geplant sind Zahlungen von insgesamt über 100 Millionen Euro. „Die Gelder für mehr Tierwohl müssen gezielt an diejenigen Betriebe fließen, die ein besonders hohes Niveau einer artgerechten Nutztierhaltung umsetzen und entsprechende Stallsysteme um- oder neubauen“, so Plagge.

Bioland fordert nun eine Kurskorrektur. In der Schweinehaltung würde das bedeuten: Mastschweineställe mit deutlich mehr Platz und Auslauf sowie die Abschaffung des Kastenstandes in der Sauenhaltung. Damit ein erfolgreicher Umbau der Schweinhaltung gelingt, müsse der gesamte Instrumentenkasten von gesetzlichen Regelungen, klarer Kennzeichnung und gezielter Förderung genutzt werden.