Tierwohllabel

Bioland hält nicht viel vom staatlichen Tierwohlsiegel

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Ulrich Graf Portrait 2019
Ulrich Graf
am Dienstag, 09.07.2019 - 13:22

„Gut ist am Tierwohllabel nichts“, findet Jan Plagge, Präsident Bioland e. V.

Mainz - Nach Einschätzung von Plagge ist Labelkonzept der Bundesregierung ein kompliziertes System mit vielen Kriterien. Es biete aber wenig Tierwohl. Zudem grenze es Ökobetriebe aus und soll freiwillig sein. Eine Verbesserung für das Leben der Nutztiere sei durch das Tierwohllabel in der jetzigen Form nicht gegeben.“

Bioland will eine vollständige und verpflichtende Fleischkennzeichnung analog der Kennzeichnung von Konsum-Eiern in vier Stufen: 0 (Bio) und 1, 2, 3 (gesetzlicher Standard). Dabei muss die höchste Stufe der Kennzeichnung ökologisch produziertem Fleisch vorbehalten sein.

„Es ist zu hoffen, dass Ministerin Klöckner Einsicht zeigt und die Kritik von Verbrauchern, Landwirtschaft und auch der Politik ernst nimmt“, sagt Plagge. „Höhere Anforderungen bei den Tierwohlkriterien und der Verzicht auf Freiwilligkeit sollten Eingang in ein Label finden, dass den Begriff ‚Tierwohl‘ nicht vollkommen ad absurdum führt. Denn Tierwohl ist nicht optional, sondern Grundbedingung für eine ethische und verantwortungsvolle Landwirtschaft,“ so Plagge.

Darum lehnt Bioland das Label in seiner jetzigen Fassung ab

  1. Handelsunternehmen sowie der Deutsche Bauernverband und alle Verbände aus den Bereichen Tierschutz, Umwelt und Ökolandbau fordern ein gesetzlich verpflichtendes Kennzeichnungssystem. Ministerin Klöckner setzt auf Freiwilligkeit des Labels. Es wird damit nur ein kleiner Teil des Fleischsortiments gelabelt.
  2. Der gesetzliche und damit niedrigste Standard wird beim Tierwohllabel nicht gekennzeichnet. Somit erkennen Verbraucher nicht, wovon sich die Stufen des staatlichen Labels abheben.
  3. Die erste Label-Stufe bringt kaum Verbesserungen in der Schweinehaltung. Sie garantiert noch nicht mal die Einhaltung der gesetzlichen Standards.
  4. Ökofleisch ist außen vor. Die Forderung der Biobranche und aller Landesagrarminister, die höchste Stufe der staatlichen Kennzeichnung für Ökofleisch vorzusehen, wurde ignoriert.
  5. Klöckner verplant für ihr Label bereits viele Millionen an Steuergeld: 70 Millionen für das Marketing des Labels und zusätzlich 100 Millionen Euro für Prämienzahlungen pro Schwein an die Landwirte, die die Kriterien der aus Sicht des Tierschutzes unzureichenden Einstiegsstufe erfüllen. Die knappen Gelder für mehr Tierwohl müssen stattdessen gezielt an diejenigen Betriebe fließen, die ein besonders hohes Niveau einer artgerechten Nutztierhaltung umsetzen und entsprechende Stallsysteme um- oder neubauen.
  6. Klöckner muss den gesetzlichen Mindeststandard in der Schweinehaltung deutlich anheben. Das würde allen Tieren zugutekommen.