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Gemeinsame Agrarpolitik

Bioland fordert reformierte GAP

Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Dienstag, 23.06.2020 - 17:00

Der Verband betrachet den Tönnies-Vorfall als Weckruf zur Gesundung des nach seiner Ansicht kranken Ernährungssystems.

Bioland

Mainz/Gütersloh - Als eine falsche Entwicklung beklagt Stephanie Strotdrees, Vizepräsidentin Bioland e.V. und Landwirtin aus dem Kreis Gütersloh, das massive Ungleichgewicht am Markt: „Wenn 56 Prozent der Schweine in Deutschland von drei Betrieben geschlachtet werden, wird klar, welches Ungleichgewicht in der Branche besteht."

Die Bioland-Bäuerin betrachtet die aktuellen Problem als Folge einer falschen Weichensetzung. Die politischen Rahmenbedingungen seien seit Jahrzehnten exportorientiert und auf industrielle Massenproduktion ausgerichtet gewesen. Die reine Ökonomisierung nach dem Prinzip ‚Wachsen oder Weichen‘ sei das Primat in Tierhaltung und Verarbeitung. Nur mehr Fläche und Tiere bringe mehr Einkommen, egal wie intensiv das Land genutzt werde. Kleine, regionale Verarbeiter hätten in diesem System keine Chance. Für gewissenhafte Betriebe werde es zunehmend schwieriger, Verarbeiter zu finden, die die gleichen Werte teilen und denen man seine Tiere mit gutem Gewissen anvertrauen könne, weil man weiß, hier werde Mensch und Tier gut behandelt. Als Nebeneffekt sterbe gutes Handwerk aus. Diese Entwicklung dürfe so nicht weitergehen.

Tierwohl-Abgabe als ein erster Schritt

Als Gegenmaßnahme fordert der Verband, die Agrar-, Wirtschafts- und Handelspolitik so umzubauen, dass Europa die wirtschaftliche Existenz der Menschen, der Bauern und Bäuerinnen und aller an der Wertschöpfungskette Beteiligten, mit Umwelt-, Klimaschutz und ethischem Verhalten verbindet. Die Farm-to-Fork-Strategie der EU-Kommission habe den Weg dahin bereits gezeichnet. Nun müssten die MNatianalstaaten hier mitziehen

Neben der GAP sieht Bioland dringenden Handlungsbedarf bei nationalen Maßnahmen für mehr Tierwohl. Der Einsatz der Borchert-Kommission sei zwar ein guter erster Schritt gewesen, inhaltlich seien die Borchert-Vorschläge jedoch noch nachzubessern. Der Verband fordert von Klöckner, die Tierhaltung so umzubauen, dass Klima und Umwelt geschützt würden und das Wohlbefinden der Tiere gesichert sei.

Im Speziellen bedeutet das für Bioland die Einführung einer Tierwohl-Abgabe zur Finanzierung besonders artgerechter Ställe und entsprechender Haltungsverfahren, eine gezielte Förderung der Landwirte, höhere gesetzliche Anforderungen bei allen Nutztieren sowie deren Kontrolle und eine verpflichtende Fleischkennzeichnung analog der erfolgreichen Eierkennzeichnung. „Klöckner muss ihre Labelpläne jetzt stoppen und stattdessen eine vollständige und verpflichtende Fleischkennzeichnung angehen“, so Strotdrees. Die höchste Stufe der Kennzeichnung müsse ökologisch produziertem Fleisch vorbehalten sein.