Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Biotreibstoffe

Biokraftstoffhersteller verweisen auf Marktkräfte

Josef koch
Josef Koch
am Montag, 28.03.2022 - 14:11

Branchenverband lehnt Kürzung von Treibhausgasminderungsquoten ab.

Vorschaubild

Der Einsatz von Biokraftstoffen sollte nach Auffassung der Biokraftstoffindustrie aktuell nicht gesetzlich eingeschränkt werden. Denn bereits jetzt reagierten die Kräfte des Marktes auf den Krieg in der Ukraine und greifen regulierend ein.

„Aktuell berichten verschiedene Biodieselhersteller, dass sie ihre Produktion aufgrund der hohen Rohstoffpreise drosseln. Stattdessen fließt das Rapsöl in die Ernährung. Damit zeigt sich, dass der Markt wirksam auf die durch den Krieg geänderte Versorgungslage antwortet“, sagte Elmar Baumann, Geschäftsführer beim Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB).

Flexible Quote

Selbstverständlich müssten auch aus Sicht der Biokraftstoffbranche die Nahrungsmittelmärkte zuerst bedient werden. Es stelle sich allerdings die Frage, auf welchem Wege dieses Ziel erreicht werde. Ein Versorgungsengpass bei Agrarrohstoffen bestehe derzeit nicht. So könne der aktuelle Engpass beim Sonnenblumenöl mit Rapsöl ausgeglichen werden.

Entgegen den Befürchtungen vieler Wissenschaftler sei die von der gesetzlich geregelten Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) ausgelöste Nachfrage nach Biokraftstoffen nicht starr. Vielmehr gebe es flexible Optionen, um die Quote zu erfüllen.
 

Quotenvorräte aus 2019 und 2021 verfügbar

Hohe Agrarpreise dämpfen laut Branchenverband die Nachfrage nach Biokraftstoffen aus Anbaubiomasse. Die THG-Quote schreibt der Mineralölindustrie vor, den Treibhausgasausstoß ihrer Kraftstoffe im Vergleich zum Jahr 2010 um einen bestimmten Anteil zu senken - derzeit um 7 Prozent. Hierzu könne sie Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse einsetzen. Oder die Mineralölunternehmen nutzen Biodiesel aus Abfall- und Reststoffen, die schon heute einen Anteil von knapp 30 Prozent an der Produktion in Deutschland haben.

Auch ihre Quotenvorräte können die Mineralölunternehmen bei Bedarf einsetzen. Denn die Mineralölindustrie hat in den vergangenen Jahren die THG-Quote regelmäßig übererfüllt. Diese Treibhausgasminderungen werden auf die Folgejahre übertragen und stehen als Reserve zur Verfügung - zum Beispiel bei hohen Biokraftstoffpreisen oder Lieferschwierigkeiten. Gegenwärtig stehen laut Branchenverband sogar Quotenvorräte aus zwei Jahren - 2019 und 2021 - zur Verfügung.

Nebenprodukte Glycerin wichtige Grundlage

Zudem begründen die Biokraftstoffhersteller ihre Ablehnung mit der Erzeugung von Futtermitteln und Energie, wie beim Raps. Dabei gewinnen die Ölmüller zu 40 Prozent Rapsöl. Die verbleibenden 60 Prozent Pressrückstand sind eiweißreiches Tierfuttermittel.

Die Eiweißfuttermittel aus der Biodieselproduktion ersetzen Futtermittelimporte. Als weiteres Koppelprodukt der Biodieselherstellung fällt Glycerin an, das zum Beispiel in Desinfektionsmitteln, Arzneien, Waschmitteln und Kosmetika benötigt wird.

Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt