Erneuerbare Energie

Biokraftstoffe: Noch mehr Treibhausgase eingespart

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 19.11.2020 - 08:10

Biokraftstoffe haben im vergangenen Jahr nochmals mehr Treibhausgase eingespart. Für 2020 könnte ihr Beitrag nochmals deutlich steigen.

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Nach dem Bericht der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) haben Biokraftstoffe im vergangenen Jahr rund 9,7 Mio. t CO2-Äquivalent eingespart. Gegenüber 2018 ist die Einsparung nochmals leicht um 0,2 Mio. t angestiegen. Für das laufende Jahr 2020 erwartet die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (Ufop) eine deutliche Überschreitung dieses Beitrages, weil die THG-Minderungsverpflichtung gegenüber 2019 um 2 % auf 6 % gestiegen ist.

Dennoch spricht sich Bundesumweltministerin Svenja Schulze gegen die Ausweitung der Biokraftstoffe aus. Ihrer Meinung nach sorge unter anderem eine Zunahme des Rapsanbaus für mehr Hunger und Treibhausgase. Umfrageergebnisse zeigen, dass die Deutschen das anders sehen.

Der Bericht zeigt laut Ufop vorbildlich die umfassenden Anforderungen an den Nachweis der Nachhaltigkeit in Verbindung mit der erforderlichen Transparenz der Rohstoffe und ihre geographischen Herkunft. Der Bericht unterstreiche den heute mit Biokraftstoffen möglichen und zunehmenden Beitrag zum Klimaschutz im Verkehr. Angesicht des Klimawandels werden alle Erfüllungsoptionen benötigt – wie auch die E-Mobilität, wenn sie mit erneuerbarem Strom betrieben wird – betont der Verband.

Verband befürchtet Aushebeln der THG-Quote

Laut Ufop handelt es sich  hier um einen physisch wirksamen Beitrag, der aufgrund gesetzlicher Vorgaben zur  THG-Minderung erreicht wird. Dieser kann auf die Reduktionsverpflichtung des ambitionierten Klimaschutzgesetzes angerechnet werden.

Grundlage hierfür ist die inzwischen auch international vorbildliche THG-Quotenregelung. Die Ufop hebt diesen Aspekt deshalb hervor, weil die aktuell diskutierten Entwürfe des Bundesumweltministeriums zur Weiterentwicklung der THG-Minderungsverpflichtung bis 2030 vorsehen, diese Minderungsvorgabe mittels Mehrfachanrechnungen zu erfüllen.

Mehrfachanrechnung bedroht Biokraftstoffe

Zusammen mit weiteren sieben Verbänden der Land- und Biokraftstoffwirtschaft kritisiert die Ufop den Vorschlag des Bundesumweltministeriums (BMU) zu den Biokraftstoffquoten bis 2030. Die Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) soll nach Vorstellungen des BMU zwar Ende der 2020er Jahre auf 16% steigen.

Allerdings drängt das vorgesehene System der Mehrfachanrechnung für Elektro- und Wasserstoffmobilität die vorhandenen Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse bereits bis 2025 faktisch aus dem Markt.

Selbst der Anteil abfallbasierter Biokraftstoffe würde gegenüber heute reduziert. So soll etwa die E-Mobilität vierfach auf die Erfüllung der THG-Quote angerechnet werden. Die Verbände stellen in Frage, ob die europäischen Vorgaben derartige Mehrfachanrechnungen überhaupt zulassen und fordern in einem gemeinsamen Schreiben an Bund und Länder eine grundlegende Korrektur.

Alle Antriebsoptionen berücksichtigen

Der Entwurf des Umweltministeriums stelle die Erfüllung der im Klimaschutzgesetz verbindlich vorgegebenen Emissionsminderungen im Verkehr in Frage. E-Mobilität soll mit dem Faktor vier virtuell als Klimaschutzbeitrag bewertet werden, während gleichzeitig die bisher erreichten Emissionsminderungen durch Biokraftstoffe von knapp 10 Mio. t CO2 entfallen sollen. Damit steige das Risiko für Strafzahlungen für den Bund durch den Zukauf von Emissionsrechten, warnen die Verbände.

Die Verbände fordern die Mobilisierung aller zur Verfügung stehenden erneuerbaren Antriebs- und Kraftstoffoptionen, einschließlich des erneuerbaren Stroms für die E-Mobilität. Notwendig hierfür sei eine kontinuierliche Anhebung der THG-Quote von 6% auf mindestens 16 % in 2030 für Kraftstoffe – zuzüglich des Beitrages von E-Mobilität und erneuerbarem Wasserstoff, aber ohne überzogene Mehrfachanrechnungen.

Ein ambitionierter Aufwuchspfad für fortschrittliche Biokraftstoffe aus land- und forstwirtschaftlichen Reststoffen  müsse unbedingt stärker berücksichtigt werden.

Die Initiative zur Regelung der Biokraftstoffquoten wird getragen von:

  • Deutscher Bauernverband;
  • Bundesverband Bioenergie;
  • Bundesverband der Deutschen Bioethanolwirtschaft;
  • Fachverband Biogas;
  • Mittelstandsverband abfallbasierter Biokraftstoffe;
  • OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland;
  • Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen;
  • Verband der Deutschen Biokraftstoffwirtschaft