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Erneuerbare Energie

Biokraftstoffe: Hersteller werfen Umwelthilfe Denkfehler vor

Josef koch
Josef Koch
am Mittwoch, 11.05.2022 - 15:03

Schlussfolgerungen der Umwelthilfe zu einer Studie der enthalten schwerwiegende Fehler, warnt die Biokraftstoffindustrie. Die wichtigsten Kritikpunkte finden Sie hier.

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Die Biokraftstoffhersteller haben in einer Studie des ifeu-Instituts zu den CO2-Opportunitätskosten von Biokraftstoffen „gravierende fachliche“ Mängel entdeckt. Die Studie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) beauftragt.

Trotzdem fordert die Umweltorganisation auf Grundlage der Studie ein Ende der Förderung von Biokraftstoffen aus Anbaubiomasse. Die DUH-Argumentation strotze vor inhaltlichen Fehlern, peinlichen Auslassungen und Realitätsferne, so der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB).

„Nicht einmal die Autoren des ifeu-Instituts selbst erstellen aus ihren Überlegungen Handlungsempfehlungen. Das hält aber die DUH nicht davon ab, aus der Studie das Ende für Biokraftstoffe als eines der wichtigsten Klimaschutzinstrumente im Verkehr abzuleiten“, sagte VDB-Geschäftsführer Elmar Baumann. Dabei minderten Biodiesel, Bioethanol und Biomethan Treibhausgasemissionen, allein 2020 in einem Umfang von 13,2 Mio. t CO2.
 

Kritikpunkt 1: CO2-Speichervermögen renaturierter Flächen

Der VDB kritisiert insbesondere die Annahme der ifeu-Autoren, dass nach einer Renaturierung oder Aufforstung die betroffene Fläche über 30 Jahre Treibhausgase speichern könne.

Dies sei nach Aussagen verschiedener Studien sehr zweifelhaft, weil natürliche Senken wegen möglicher Waldbrände, Hitzeperioden, illegalem Holzeinschlag und anderer Naturkatastrophen die gespeicherten Treibhausgase wieder abgeben könnten. Aus diesem Grund empfehle der Deutsche Naturschutzring (DNR), die Klimaleistung von Wäldern und Mooren nicht auf die deutschen und europäischen Klimaziele 2030 anzurechnen, argumentiert der VDB.

 „Die DUH will sich beim Klimaschutz auf unsichere Entwicklungen von 30 Jahren verlassen, statt Biokraftstoffe zu nutzen, die jetzt konkret Treibhausgasemissionen einsparen. Damit würde das Vertrauen in Investitionen in wirksame Klimaschutzmaßnahmen stark beschädigt“, so Baumann.

Kritikpunkt 2: Irreführender Vergleich Solarfläche und Biodieselraps

Als irreführend sieht Baumann den Vergleich zwischen Photovoltaik-Flächen für die Stromerzeugung und Flächen zum Rapsanbau für Biodiesel. Laut Studie kann durch Photovoltaik auf den gleichen Flächen mehr Energie erzeugt werden als durch die Nutzung der darauf angebauten Agrarrohstoffe für die Biokraftstoffproduktion.

Nach VDB-Ansicht vergleicht die ifeu- und DUH-Darstellung in diesem Punkt Äpfel mit Birnen. Denn Biokraftstoffe seien Energieträger, während die Photovoltaik der Stromerzeugung diene. „Nachts und wochenlang im Winter liefert Solar jedoch kaum Strom, während die in Biokraftstoffen gespeicherte Energie jederzeit abrufbar ist“, meint Baumann.

Kritikpunkt 3: Auch Elektromobilität verursacht Emissionen

In der ifeu-Studie für die DUH bezeichnen die Autoren die Treibhausgasemissionen der Elek-tromobilität inklusive der Batterieproduktion als irrelevant und untersuchen ausschließlich die Emissionen von Biokraftstoffen.

Dasselbe Institut errechnete dagegen in der Studie „Klimabilanz von E-Fahrzeugen“ für den Think Tank Agora Verkehrswende deutliche Emissionen für Fahrzeuge mit Batteriebetrieb; allein hierdurch halbiert sich der angebliche Klimavorteil der E-Mobilität der DUH-Studie. „Die Zahlen der DUH-Studie sind durch ihre Einseitigkeit geradezu manipulativ und unseriös“, warnt Baumann.

Kritikpunkt 4: Folgekosten für Aufforstung vernachlässigt

Der VDB wirft der DUH vor, finanzielle und praktische Folgen ihrer Forderungen einfach außen vor zu lassen. Schließlich wären Landwirte zu entschädigen, wenn sie Flächen aufforsten, auf denen sie bisher Rohstoffe für Biokraftstoffe anbauen.

Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums erzielen Landwirte auf deutschen Äckern durchschnittliche Erlöse von jährlich rund 3.000 €/ha. Würden die Forderungen der DUH umgesetzt, müssten in den kommenden 30 Jahren jährlich rund 840 Millionen Euro an deutsche Bauern gezahlt werden, rechnet die Biokraftstoffindustrie vor.

Flächen, die nach den Plänen der DUH im Ausland renaturiert werden, müssten laut VDB zusätzlich über 30 Jahre bewacht werden, damit die Treibhausgase dauerhaft gebunden werden. Der Verband hält das für ein „Luftschloss, teuer und wirkungslos“.

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