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Erneuerbare Energie

Biogas: Frist für Audits auf Jahresende verlängert

Josef koch
Josef Koch
am Freitag, 24.06.2022 - 07:00

Bioenergieverbände begrüßen Lockerung, fordern aber noch auf weitere Nachbesserungen für Nachhaltigkeitszertifizierung.

Biogasanlage-Befüllung

Durchatmen können hunderte Betreiber von Biogasanlagen und Holzheizkraftwerken. Die Bundesregierung hat in der Änderungsverordnung der Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung (BioSt-NachV) die Übergangsfrist für die Auditierungen um ein halbes Jahr auf 31.Dezember 2022 verlängert.

Damit ist es den Betreibern möglich, sich fristgerecht zertifizieren zu lassen, ohne die EEG-Vergütung zu verlieren. Angesichts des Engpasses an verfügbaren Auditoren sei die Verlängerung eine lange überfällige Entscheidung, so Sandra Rostek, Leiterin des Hauptstadtbüros Bioenergie (HBB).

Die von der Bundesregierung geänderte BioSt-Nachv sieht vor, dass die betroffenen Biogasanlagen über 2 MW Gesamtfeuerungswärmeleistung und Holzheizkraftwerke über 20 MW Gesamtfeuerungswärmeleistung sowie deren Lieferanten und Verarbeiter von Biomassen bei einem nachweislichen Mangel an Auditoren gegenüber der Bundesanstalt für Landwirtschaft (BLE) mittels Eigenerklärung eine Verlängerung der Frist für die Nachhaltigkeitszertifizierung beantragen können. Die Verordnung steht im Bundesgesetzblatt zum Download zur Verfügung
 

Viele ungeklärte Fragen

Rostek hält es aber für dringend nötig, die Einführung der Nachhaltigkeitszertifizierung - wie im europäischen Emissionshandel auch - komplett um ein Jahr zu verschieben, um die erforderlichen Umstellungen der Biomasselieferungen und die Zertifizierung entlang der gesamten Lieferkette durchführen zu können. Unabhängig von dem nun später möglichen Termin für die Auditierung müssen Anlagenbetreiber weitreichende Vorgaben der BioSt-NachV bereits seit Beginn des Jahres einhalten.

Die insgesamt zu kurze Einführungsfrist von drei Wochen Ende letzten Jahres führt zudem zu ungeklärten Fragen in der praktischen Umsetzung der Verordnung. Viele Fragen sind auch deswegen offen, da die Umsetzungsverordnung zu den freiwilligen Zertifizierungssystemen von der EU erst in der vergangenen Woche veröffentlicht wurde. Und zu den Nachhaltigkeitsanforderungen im Forstbereich steht sie aber noch immer aus.

Besonders im Abfallbereich besteht nach Rosteks Einschätzung noch Informations- und Klärungsbedarf seitens der Bundesregierung, welche zusätzlichen Anforderungen aus Nachhaltigkeitssicht zu den bestehenden umfassenden Dokumentations- und Kontrollpflichten des Abfallrechts einzuhalten sind. Dies führt dazu, dass die Vorkette nicht bereit war und teilweise nach wie vor nicht bereit ist, sich zertifizieren zu lassen.

Unterschiedliche Zeiträume verhinden Ausgleich Massenbilanz

Ebenso problematisch sind laut HBB die nicht kompatiblen Bilanzzeiträume des Gashandels (EEG, KWKG) mit den Vorgaben der BioSt-NachV. Aufgrund bestehender Lieferverträge, die nicht innerhalb von drei Wochen verändert werden konnten, ist ein Ausgleich der Massenbilanz im ersten Quartal nicht möglich, was der Nachhaltigkeitszertifizierung widerspricht. Üblicherweise erfolgt der Ausgleich im Gashandel über ein Kalenderjahr. Insbesondere betroffen sind hier auch Kommunen, die Biomethan zur Energieversorgung einsetzen.

Weiterhin nicht geklärt ist der Umgang mit eingelagerter Biomasse, für die die Betreiber rückwirkend keine Nachhaltigkeitsnachweise mehr erstellen können. Deshalb fordert Rostek, den Starttermin der BioSt-NachV auf den 1. Januar 2023 zu verschieben, um diese Biomasse rechtssicher in diesem Jahr einsetzen zu können. 

 

Knappe Audittermine

Weiteren Nachbesserungsbedarf sieht Rostek bezüglich des Kontrollaudits nach einem halben Jahr. Das Aussetzen des Kontrollaudits würde schnell und wirkungsvoll Auditoren für Erstzertifizierungen freistellen, ohne Nachhaltigkeitsrisiko der bereits zertifizierten Unternehmen, so die Leiterin des Hauptstadtbüros.

Trotz der jetzigen Fristverlängerung sind sich die Bioenergieverbände nicht sicher, dass in den nächsten sechs Monaten alle Bioenergieanlagen sowie deren Vorketten, von der BioSt-NachV betroffen sind,  einen Audittermin bekommen, geschweige denn die neu betroffenen Nachweisverpflichteten im EU-Emissionshandel.

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