Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Erneuerbare Energie

Biogas: Bauern warnen vor Genickbruch

Eine wichtige Energiequelle: Habecks Pläne wirken kontraproduktiv auf die heimische Biogaserzeugung.
Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 24.11.2022 - 16:38

Branche appelliert an Wirtschaftsminister Robert Habeck, sie nicht hängen zu lassen.

Berlin Biogasbauern laufen Sturm gegen die Pläne der Bundesregierung, die Stromerlöse abzuschöpfen. Mitte Dezember soll der Bundestag den Gesetzesentwurf verabschieden. Die bisher vorgesehenen Gewinnzuschläge von 6 Cent/kWh auf der Basis der Schwelle von 18 Cent/kWh reichen aus Sicht der Bauern bei weitem nicht.

Die Bioenergieverbände fordern die Bioenergieanlagen komplett von der Abschöpfung auszunehmen. Das sei die einzige Lösung für Versorgungssicherheit im aktuellen Winter. Sollte dies keine Option sein, müssten zumindest die Sicherheitszuschläge von 12 ct/kWh für Biogas, 13 ct/kWh für Altholz und 9 ct/kWh für Frischholz angehoben werden, lautet deren Forderung.

Aiwanger warnt vor Vertrauensbruch

Dringenden Handlungsbedarf sehen auch Vertreter der bayerischen Agrar- und Wirtschaftsministerien. Energieminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hält den Sicherheitszuschlag von 6 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) für Biomasse- und Biogasanlagen für „viel zu gering“. Hier wäre mindestens ein Aufschlag von rund 10 ct/kWh notwendig, um die gestiegenen Kosten aufzufangen.

Dabei hat er noch bei der Sitzung des Energiebeirats Ende Oktober einen Zuschlag von mindestens 6 Cent/kWh gefordert. Nach wie vor für einen Vertrauensbruch hält er die rückwirkende Abschöpfung ab 1. September 2022. Sie ist zunächst befristet bis 30. Juni 2023. Mit einem Review durch die EU-Kommission kann die Abschöpfung auch noch verlängert werden, jedoch maximal bis zum 31. Dezember 2024.

Kaniber sieht Erfolge für Bayern

Etwas zufriedener wirkt indes Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU). Sie sei erleichtert, dass kleine Biogasanlagen bis zu einem Megawatt von einer Erlösabschöpfung ausgenommen werden, und der Sicherheitszuschlag auf 6 Cent/kWh erhöht werde, ließ sie in einer Pressemitteilung wissen.

„Es freut mich sehr, dass sich unser hartnäckiger Einsatz für die bayerischen Biogasanlagenbetreiber offensichtlich gelohnt hat“, so die Ministerin. Sie hätte sich zwar gewünscht, dass Biogas und Bioenergie gänzlich ausgenommen werden. „Aber damit ist jetzt wenigstens von einem großen Teil unserer Biogasanlagenbetreiber eine Last genommen“, meint sie.

Kaniber und Aiwanger hatten sich bereits Mitte Oktober beim Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) intensiv für die rund 2.600 Biogasanlagenbetreiber Bayerns in Berlin stark gemacht.

Verband warnt vor Blackouts

In seiner Aktion in den digitalen Medien wie Facebook oder LinkedIn weist der Fachverband nochmals auf die Folgen hin, die Habecks Gesetzesentwurf auf die Branche und die Energieversorgung hat. So würden 2 Gigawatt elektrische Leistung sofort vom Netz gehen. Das entspricht der Leistung von 2 Atomkraftwerken, rechnet der Verband vor. Die Gefahr von Blackouts in den kritischen Wintermonaten verschärfe sich dadurch.

360 000 Haushalte könnten ab Dezember 2022 keine Wärme aus Biogasanlagen bekommen und so nicht mehr heizen. Die Kompensation von Biogas durch andere verfügbare Alternativen – vor allem teures Erdgas – führt aus Sicht der Biogasbranche zu einer massiven Verteuerung der Stromerzeugung. Die Preisbremse werde so zum Preistreiber auf Kosten der Bürger.

Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt