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Gemeinsame Agrarpolitik

Biodiversität: Weniger düngen und mehr stilllegen

Josef koch
Josef Koch
am Mittwoch, 13.05.2020 - 12:00

Erste interne Entwürfe der EU-Biodiversitätsstrategie bedrohen Bauern. Brüssel will massiv in die Bewirtschaftung der Flächen eingreifen.

Düngung-Getreide-Frühjahr

Die EU-Kommission will die Dünge- und Pflanzenschutzauflagen für Landwirte deutlich verschärfen. Das geht aus einem internen Papier der EU-Kommission zu Biodiversitätsstrategie hervor, das in Brüssel kursiert.

In ihrer Biodiversitätsstrategie umreißt die Kommission ihre Maßnahmen, was sie dem drohenden Verlust der biologischen Vielfalt bis 2030 entgegensetzen will. Werden diese Pläne so in die Realität umgesetzt, fürchtet der EU-Dachverband der Bauern- und Genossenschaftsorganisationen (Copa-Cogeca) erhebliche Nachteile für Landwirte.

20 Prozent düngen unter Bedarf auf allen Flächen?

Die seit Mai gültige Düngeverordnung in Deutschland sei dabei noch das kleinere Übel, schätzen Insider das interne EU-Papier ein.

Die Vorgaben führen unter anderem dazu, dass Landwirte auf allen Flächen nur noch 20 % unter Bedarf gedüngt werden dürfte. In Deutschland sind derartige Auflagen bereits für die roten Gebiete ab kommendem Jahr vorgesehen.

10 % der Flächen aus Produktion nehmen

Doch die EU-Kommission will die Latte noch deutlich höher legen. Sie strebt bis 2030 einen Anteil an nichtproduktiven Flächen von mindestens 10 % an.

Dabei ist aber nicht an die klassische Flächenstilllegung gedacht. Vielmehr will die EU gezielt angelegte Blühflächen, Hecken oder andere Rand- und Pufferstreifen, die miteinander vernetzt sind und eine ökologische Vielfalt bieten.

50 Prozent weniger Pflanzenschutz

Schon länger war aus Brüssel zu hören, dass die Kommission in ihrer Strategie „Vom Hof auf den Tisch“ eine deutliche Verringerung des Pflanzenschutzmitteleinsatz anstrebt. Im internen Papier zur Biodiversitätsstrategie gibt es nun erstmals konkrete Zahlen. In zehn Jahren soll der Pflanzenschutzmitteleinsatz um die Hälfte sinken. Damit will Brüssel den Schwund der Insekten- und Vogelvielfalt bremsen.

Als eine Maßnahme, um den Pflanzenschutzmitteleinsatz zu drücken, sieht Brüssel den ökologischen Landbau. Dieser soll bis 2030 deutlich wachsen. Als Zielgröße stellt man sich in Brüssel einen Flächenanteil von mindestens 25 % vor. Gleichzeitig will die EU Maßnahmen einleiten, um die Nachfrage nach ökologischen Produkten zu steigern. Copa-Cogeca hält eine so schnelle Steigerung der Nachfrage für wenig realistisch. Schließlich müsse sich die Ökofläche innerhalb von zehn Jahren praktisch vervierfachen. 2018 betrug der Anteil der EU-Ökofläche nach aktuellen Eurostat-Zahlen knapp 8 %. Zudem warnen die Verbände vor einer Bedrohung der Versorgungssicherheit.

Förderung offen

Grundsätzlich vermisst der EU-Dachverband im Strategieentwurf zur Biodiversität, dass die EU-Kommission die möglichen Folgen für die Wirtschaftlichkeit der Betriebe und konkrete finanzielle Unterstützungsmaßnahmen nicht näher beleuchtet. Die Verbände verlangen daher, Programme zu entwickeln, damit „Landwirte für die von ihnen erbrachten Umweltleistungen vom Markt entlohnt werden können.“

Frans Timmermans, der als Vizepräsident der EU-Kommission für den Green Deal in Brüssel hauptverantwortlich die Fäden zieht, hält sich mit Finanzierungsaussagen diesbezüglich zurück. Er sieht aber im Übergang zur Nachhaltigkeit keine Bedrohung für die Bauern, sondern „eine enorme wirtschaftliche Chance für den Agrarsektor“.