Biologische Vielfalt

Biodiversität: Bayern muss mehr tun

Josef Koch Redakteur Agrarpolitik
Josef Koch
am Freitag, 22.05.2020 - 08:23

Der BUND Naturschutz Bayern fordert die Regierung auf, mehr für den Artenschutz zu tun. Auch der Flächenfraß sei zu hoch.

Feldhamster

Anlässlich des Weltbiodiversitätstags am 22. Mai fordert der BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN), Biodiversitätsstrategien von der internationalen bis zur lokalen Ebene konsequent umzusetzen. 

„Wir erwarten auch von der Bayerischen Staatsregierung, dass sie sich auf bayerischer, aber auch auf europäischer und nationaler Ebene für einen starken Naturschutz einsetzt“, verlangt Richard Mergner, BN-Vorsitzender.

Zur Biodiversität gehörten nicht nur der Tiger in Asien, sondern auch der Feldhamster und Fischotter in Bayern. Die Verpflichtungen der bayerischen Staatsregierung bis 2020 in der Bayerischen Biodiversitätsstrategie sind laut BN weitgehend noch nicht erfüllt.

Der Verband weist auf die Chance hin, dass mit den Konjunkturprogrammen zur Überwindung der Corona-Krise auch viele für die Natur wichtigen Weichen neu gestellt werden können: „Die Planung und Umsetzung der Konjunkturprogramme muss jetzt an den Kernelementen einer anspruchsvollen Natur- und Klimaschutzpolitik und sozialer Gerechtigkeit ausgerichtet werden. Dazu gehört insbesondere die umgehende Neuausrichtung der Landwirtschaft als Hauptursache für den Verlust der biologischen Vielfalt.“

BN: Bayern muss eigene Biodiversitätsstrategie umsetzen

Namhafte Wissenschaftler, Vertreter von Stiftungen, Unternehmer, Prominente und NGOs, darunter auch der BUND, haben sich in einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin gewandt und ein konsequentes Handeln bei der Verabschiedung des "European Green Deals" und der neuen Biodiversitätsstrategie der UN-Konvention zum Schutz der Biologischen Vielfalt (CBD) gefordert.

Auf bayerischer Ebene fordert der BN eine stärkere Umsetzung der bayerischen Biodiversitätsstrategie in allen Ressorts. Am 1. April 2008 hat der Bayerische Ministerrat eine Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Bayern (Bayerische Biodiversitätsstrategie) beschlossen. Darin sind etliche Ziele bis 2020 gesetzt.

So heißt es: „Der Rückgang der heute noch vorhandenen Vielfalt wildlebender Arten soll bis 2020 in Bayern gestoppt und der Anteil der vom Aussterben bedrohten und stark gefährdeten Arten deutlich verringert werden. Bis 2020 sollen gefährdete Arten, für die Bayern eine besondere Erhaltungsverantwortung trägt, überlebensfähige Populationen erreichen und für mehr als 50 % der Rote Liste-Arten soll sich die Gefährdungssituation um wenigstens eine Stufe verbessert haben.“

Flächenfraß stoppen

Der BN hält die Biodiversitätsstrategie für wichtig und dringend nötig, Naturschutz kann erfolgreich sein. „Aber auch wenn wir  Fortschritte beim Schutz einzelner Arten und in zahlreichen Naturschutzprojekten sehen, ist Bayern von diesem und anderen Zielen sowie einer Trendwende weit entfernt. Nach wie vor überwiegen auf großer Fläche die Verluste durch eine verfehlte Agrarpolitik, Straßenbau und Flächenverbrauch“, bilanziert Dr. Christine Margraf, Artenschutzreferentin des BN.

Der BN fordert deshalb mehr Verbindlichkeit und substantielle Beiträge für den Erhalt des biologischen Reichtums Bayerns in allen Wirtschafts- und Ressortbereichen, insbesondere bei der Landwirtschaft und beim Flächenverbrauch in Bayern. Auch die konsequente Umsetzung des 2019 gewonnenen Volksbegehrens zum Artenschutz ist wichtig für die Trendwende.

Artenschutz beginnt laut BN vor der Haustür. Jeder einzelne kann viel dafür tun. Ob das ein naturnaher Garten, naturnahe kommunale Flächen, die Bewirtschaftung nach bzw. der Einkauf von Produkten aus dem Ökolandbau ist. Und nicht zuletzt ist auch Klimaschutz Naturschutz.