Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Ökolandbau

Bio-Wachstum reicht nicht aus

Josef koch
Josef Koch
am Dienstag, 15.02.2022 - 18:32

Bio-Anteile und Zuwachs fallen sehr unterschiedlich aus. Die Wachstumsraten sind aber zu gering, um das 30%-Ziel zu erreichen.

Hackstriegel_Getreide_Ökolandbau

Im vergangenen Jahr 2021 gab es nicht nur mehr Biobauern sondern auch mehr Biokäufer. Allerdings fallen die Bio-Anteile recht unterschiedlich aus. Die Umsätze mit Bio-Lebensmitteln sind 5,8 % auf knapp 15,9 Milliarden Euro gestiegen. Der Bio-Anteil am Lebensmittelmarkt erhöht sich damit nach vorläufigen Schätzungen von Marktexperten auf 6,8 %, teilt das Bundesagrarministerium mit.

Agrarminister Cem Özdemir will aber auch in den Regalen bis 2030 auf einen Anteil von 30 % kommen. “Es liegt jetzt an den Regierenden, allen voran Bundesminister Cem Özdemir, nicht nur 30 % Bio bis 2030 und Öko als Leitbild auszurufen, sondern alle erforderlichen Weichen für den Umbau unseres Agrar- und Ernährungssystems zu stellen“, fordert Tina Andres, Vorstandsvorsitzende Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).

Flächenanteil bei knapp 11%

Nach BÖLW-Angaben wirtschaftet jeder 7. Hof ökologisch, insgesamt sind es 35.716 Höfe in ganz Deutschland. 2021 stellten 320 Betriebe auf Bio um, 13,6 % aller Höfe in Deutschland sind Bio-Betriebe. Ein Plus von 0,9% gegenüber 2020. Mit den neuen 81.762 ha im Jahr 2021 beträgt die gesamte Öko-Fläche jetzt rund 1,78 Mio. ha, plus 4,5 % im Vergleich zu 2020. Das entspricht einem bundesweiten Flächenanteil von 10,7%.

In den letzten sechs Jahren stellten laut BÖLW die heimischen Öko-Betriebe über eine halbe Million Hektar Landwirtschaftsfläche um. Allein die von den Bio-Verband-Höfen beackerten Flächen summierten sich auf etwa 1,14 Mio. ha (+ 5,4 %) und machten rund zwei Drittel der gesamten Öko-Fläche aus.

Die wichtigsten Ergebnisse des Öko-Barometers 2021

Diesen Langfristtrend bestätigen auch die Ergebnisse des aktuellen Öko-Barometers, den das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft regelmäßig in Auftrag gibt: 38 Prozent der Befragten gaben für das Jahr 2021 an, häufig (33 Prozent) oder ausschließlich (5 Prozent) Bio-Produkte zu kaufen. Mit Blick auf die Zukunft schätzen sogar 47 Prozent der Befragten, dass sie häufig (41 Prozent) oder ausschließlich (6 Prozent) Bio-Lebensmittel erwerben werden.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Auch 2021 gaben die Befragten an, am häufigsten Eier, Obst und Gemüse, gefolgt von Kartoffeln, Milchprodukten und Fleisch- und Wurstwaren in Bio-Qualität zu kaufen.
  • Gekauft werden die Bio-Produkte auch weiterhin am häufigsten im Supermarkt: Allein neun von zehn befragten Bio-Käuferinnen und -Käufern nutzen das Bio-Angebot der Supermärkte.
  • Regionale Herkunft, artgerechte Tierhaltung, eine gesunde Ernährung und möglichst naturbelassene Lebensmittel sind mit Zustimmungsraten von jeweils mehr als 90 Prozent die wichtigsten Gründe für den Kauf von Bio-Lebensmitteln, wobei die regionale Herkunft mit einer Zustimmungsrate von 93 Prozent in diesem Jahr erstmals vor der artgerechten Tierhaltung (92 Prozent) liegt.
  • Bei der Befragung zur „Bekanntheit des deutschen Bio-Siegels“ gaben 82 Prozent an, dass ihnen das deutsche Bio-Siegel vom Aussehen her bekannt ist, obwohl die Befragten das Bio-Siegel nicht vorliegen hatten. Eine besonders hohe Bekanntheit zeigte die Befragung in der Gruppe der jungen Menschen bis 29 Jahren (93 Prozent) und innerhalb der Altersgruppe zwischen 60 und 69 Jahren (91 Prozent).

Hoher Bio-Anteil bei Pflanzendrinks

Die Zahl der Bio-Lebensmittelhersteller, -Abpack- und -Gastronomiebetriebe kletterte um 7%, auf insgesamt 17.350 Unternehmen Seit 2015 stiegen nach den BÖLW-Daten 24 % mehr Betriebe in die Bio-Verarbeitung ein. Gleichzeitig schrumpfte in der Bundesrepublik die Anzahl der Mühlen, Molkereien oder fleischverarbeitenden Betriebe weiter.

Die Nachfrage nach Öko-Fleisch, -Milchalternativen und -Butter stieg 2021 besonders mit Umsatz-Wachstumsraten zwischen 27 und 14,6 %. Der Bio-Anteil am Gesamtmarkt erreichte bei Pflanzendrinks 62,4 %, bei Fleischersatz 26,6 %, Eier stiegen auf knapp 17 %, Mehl auf über 15 %. Der Bio-Anteil am deutschen Lebensmittelmarkt erhöhte sich auf vorläufige 6,8 %.

LEH-Anteil über 60 %

Die Kundinnen und Kunden kauften Bio an allen Verkaufsplätzen: Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) erreichte 2021 einen Bio-Umsatz von 9,88 Mrd. € und einen Anteil am Bio-Markt von 62,3 %. Die Vollsortimenter und die Discounter trugen in ähnlichem Maße zu dieser Marktentwicklung bei. Während die Discounter bei den Frischeprodukten wie Bio-Milch oder -Gemüse stärker zulegten, war bei den Vollsortimentern und den Drogeriemärkten das Trockensortiment stärker gefragt, wozu etwa Mehl oder Öl gehören. Deutlich gewannen die Bio-Markenprodukte.

Die sonstigen Einkaufsstätten konnten mit 2,41 Mrd. € satte 7,4 % mehr umsetzen. Der Marktanteil dieser Geschäfte blieb mit 15,2 % stabil. Anhaltend hoch waren die Online-Verkäufe von Bio-Lebensmitteln. Hier scheinen sich die geänderten Einkaufsgewohnheiten etabliert zu haben.

Der Umsatz des Naturkostfachhandels 2021 lag mit etwa 13 % deutlich über dem Vor-Corona-Niveau von 2019, schwächte sich 2021 aber leicht ab. Insgesamt verkauften die Bio-Fachhändler im Jahr 2021 Bio-Lebensmittel und -Getränke im Wert von 3,58 Mrd. €. Die Bio-Fachgeschäfte erreichten 2021 einen Marktanteil von 22,6 %.

Ihr Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt
blw digital iphone blw digital macbook
Hefttitelbild Printausgabe Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt