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Gentechnik

BfN-Präsidentin warnt vor gentechnisch veränderte Viren

Josef koch
Josef Koch
am Montag, 10.01.2022 - 08:24

Bundesamt für Naturschutz sieht zusammen mit internationalen Wissenschaftlern neue Risiken bei Freisetzung.

Riewenherm-Sabine-BfN-Präsidentin

Gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Großbritannien, Südafrika, Deutschland und den USA warnt das Bundesamt für Naturschutz (BfN) vor den Folgen einer Freisetzung einer Freisetzung von gentechnisch veränderten sich selbst ausbreitenden (GV) Viren.

In einem aktuell Peer Review-Artikel der Fachzeitschrift „Science“ raten die Experten ab, von gut etablierten und evidenzbasierten wissenschaftlichen Normen abzuweichen.

Labormodifikationen von sich selbst ausbreitenden GV Viren sind genetisch zu flexibel, um sicher und vorhersehbar außerhalb geschlossener gentechnischer Anlagen verwendet zu werden, heißt es darin. Diese evidenzbasierte und in der Wissenschaft gut etablierte Norm werde durch vorgeschlagene neue Freisetzungen von sich selbst ausbreitenden GV Viren in die Umwelt in Frage gestellt, so das BfN. In der Landwirtschaft werden beispielsweise GV Viren im Pflanzenschutz oder als Vektoren zur gentechnischen Veränderung von Nutzpflanzen erforscht. Auch im Wildtiermanagement wird vorgeschlagen, GV Viren als sich selbst ausbreitende Impfstoffe einzusetzen.

Riewenherm: Dynamik nicht unterschätzen

„Wer vorschlägt, gentechnisch veränderte, sich selbst ausbreitende Viren freizusetzen, übersieht oder unterschätzt die Dynamik eines Virus, das von Wirt zu Wirt wandern kann. Diese Dynamik der Selbstausbreitung verleiht Viren ein erhebliches Potenzial, ihre biologischen Eigenschaften zu verändern, sobald sie in die Umwelt gelangen. Eine solche Entwicklung birgt Gefahren, nicht zuletzt für unsere Natur“, betont BfN-Präsidentin Sabine Riewenherm.

Nach ihrer Ansicht gibt es die Technik, GV Viren zu entwickeln, schon seit Jahrzehnten. Neu sei, dass sich aktuell der bewährte vorsorgliche Ansatz bei Freisetzung von GV Viren ändert. Neben technischen Durchbrüchen, die ganz neue Anwendungsmöglichkeiten eröffnen, ist nach Meinung der BFN-Präsidentin daher dringend notwendig, auch einen Abbau von wissensbasierten Normen im Blick zu behalten. Dies gelte im Übrigen neben GV Viren für alle gentechnischen Freisetzungen.

„Auch beim Genome Editing bei Nutzpflanzen muss beispielsweise weiterhin das Vorsorgeprinzip gelten, da diese Anwendungen aus wissenschaftlicher Sicht sehr weitreichend sind und damit Risiken für Mensch und Umwelt bergen können“, so Riewenherm.

Neues Kontrollsystem international nötig

Aus Sicht des Bundesamtes ist es wesentlich, dass bei den 2022 anstehenden Verhandlungen bei der UN-Vertragsstaatenkonferenz zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt das Instrument zum sogenannten „Horizon Scanning“ der Synthetischen Biologie dauerhaft und effektiv etabliert wird.

Horizon Scanning ist ein standardisiertes Vorgehen, um Trends und Entwicklungen frühzeitig zu identifizieren und in ihrer Auswirkung auf Natur und Umwelt zu bewerten. Dabei müssen, so die aktuelle Veröffentlichung in Science, technische Durchbrüche in der Biotechnologie und sich ändernde wissensbasierte Normen beobachtet werden.

 

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