Landesversammlung

Auf Besonnenheit setzen

Landesversammlung
Sandra Schwägerl Portrait 2019
Sandra Schwägerl
am Freitag, 31.01.2020 - 09:13

Die AbL setzt sich mit Demonstrationen und der Neuausrichtung der Agrarpolitik auseinander.

Oberbachern/Obb. - Angeregte Dis­kussionen gab es bei der Mitgliederversammlung der Bayerischen Arbeitsgemeinschaft für bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Deren Vorsitzender Josef Schmid regte an, den Berufsstand auf einen Nenner zu bringen, er nannte es eine „Verbindungsbrücke zwischen besonnenen und unbesonnenen Demonstranten zu schaffen“ – und zwar solle dies geschehen, bevor die Bauern von Land schafft Verbindung (LsV) zum nächsten Mal auf die Straße gehen. Diese neue Organisation wurde von deren oberbayerischen Pressesprecher Andreas Bentele vertreten. Er betonte, LsV sei nicht gegen Veränderungen, aber gegen Verbote.
 

Kein Bauern-, sondern Systembashing

Für Stefan Kreppold vom Bund Naturschutz laufen alle Bemühungen ins Leere, wenn die Praxis gegen die Gesundheit von Mensch und Natur gehe. „Auch blockierte Straßen werden daran nichts ändern“, so seine These. Gleichwohl gibt es für ihn kein Bauernbashing, wohl aber Systembashing, d. h. das „intensive Landnutzungs- und Tierhaltungssystem“ müsse auf den Prüfstand. LsV-Mann Bentele betonte, man mache die Arbeit nicht absichtlich falsch, sondern handle nach staatlichen Vorgaben. Doch bräuchten die Landwirte Planungssicherheit, um Investitionen tätigen zu können, erklärte der Milchviehhalter aus dem Kreis Aichach.

Veränderungen müssen bezahlbar sein, pflichtete ihm AbL-Chef Schmid bei und stieß das Thema Förderungen an. Die AbL lehnt das derzeitige „Gießkannenprinzip“ der pauschalen Direktzahlungen an Landwirte ab, vielmehr sollten erhöhter Bewirtschaftungsaufwand und Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen stärker bedacht werden.

Das richtete sich gegen den Standpunkt des Bayerischen Bauernverbandes: Für diesen meldete sich Oberbayerns Bauernverbandspräsident Anton Kreitmair zu Wort. Er betonte, das zu machen „was seine Mitglieder wollen“. Sein derzeitiger Hass richte sich gegen Politiker, die „vormittags Versprechen geben und nachmittags anders handeln“.

Aufpassen, was man unterstützt

Einige AbL-Mitglieder stellten mit Blick auf das Volksbegehren Artenvielfalt fest, man müsse „in Zukunft aufpassen, was man unterstützt“, habe dieses doch bisher lediglich das Abholzen von Streuobstbeständen und Flächenumbrüche zur Verhinderung von Dauergrünland nach sich gezogen.

Schmid sieht die neuen Öko-Modellregionen (ÖMR) gerade für die konventionellen Landwirte als Anreiz, ihre Betriebe auf ökologische Bewirtschaftung umzustellen und die neuen Märkte, die die ÖMRs schaffen, für sich zu nutzen.

Irene Popp von der AbL-Regionalgruppe Oberland berichtet, dass in ihrem Wirkungskreis zunehmend AbL-Vertreter erwünscht sind, etwa bei Schulschlussfeiern der Landwirtschaftsschulen. In Bayerisch-Schwaben wolle man bei der neuen ÖMR mitmischen, die AbL-Franken setzt unter anderem auf Diskussionsrunden. Die Region Inn-Salzach habe im vergangenen Jahr das Gespräch mit den örtlichen Kreisverbänden des BBV gesucht – die Nachfrage war laut Georg Plan­thaler beschämend.

Weiter informierten die Vorsitzenden Schmid und Angerpointner, dass die Bayerische Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft eine Hofstelle samt Ackerflächen von rund 20 ha im Landkreis Cham (Opf.) geerbt hat. Der Wunsch des Erblassers sei gewesen, dass diese ökologisch bewirtschaftet werden.

Vorsitzende bei den Wahlen bestätigt

Turnusgemäß standen Neuwahlen auf der Agenda der Mitgliederversammlung: Die Vorsitzenden Josef Schmid (Lks. Landshut) und Gertraud Angerpointner (Lks. Berchtesgadener Land) wurden wiedergewählt, vertreten werden sie von Isabella Hirsch (Lks. Feuchtwangen) und Hans Zacherl (Lks. Fürstenfeldbruck). Schriftführerin bleibt Andrea Eiter, die zugleich das Amt der AbL-Landesgeschäftsführerin inne hat, Irene Popp (Lks. Weilheim-Schongau) bleibt Kassier, geprüft wird die Kasse von Franz Rottenkolber und Elisabeth Friesenegger.

Der Beirat für die kommenden zwei Jahren zählt acht Mitglieder: Andreas Hauer, Hans Lachner, Toni Wollschläger, Sepp Linhuber, Georg Martin, Rosi Reindl, Moni Huber und Lucia Egner, einige davon wurden neu in das Gremium gewählt. Die Mitgliederzahl des eingetragenen Vereins liegt derzeit bei 652 Personen.