Artenvielfalt

Beim Wolf scheiden sich die Geister

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 29.04.2021 - 08:15

Fast drei Viertel der Bevölkerung begrüße die Rückkehr von Wölfen, fast zwei Drittel sind aber für die Entnahme von Problemwölfen. Weidetierhalter fordern Obergrenze für die Beutetiere.

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Bayerns Bevölkerung steht dem Wolf prinzipiell positiv gegenüber. Bayerns Weidetierhalter sind da aber ganz anderer Meinung. Auch bei den Umweltministern der Bundesländer reift die Erkenntnis bei steigender Wolfspopulation handeln zu müssen. Derzeit arbeiten sie an einem Praxisleitfaden Wolf, um die Entnahme von Problemwölfen bundesweit rechtssicher zu gestalten.

Laut einer bundesweiten Umfrage des Naturschutzbunds Deutschlands, einem Partner des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), ist bundesweit und auch in Bayern in Regionen mit Wölfen die Ablehnung der Tiere nur marginal höher ist als im Durchschnitt, so die Ergebnisse der forsa-Umfrage anlässlich des Tags des Wolfes am 30. April. Deutschlandweit wurden dabei 2.360 Personen befragt, um zu ermitteln, ob sich mit der Zunahme des Wolfsbestands und Ausbreitung in weitere Bundesländer die Einstellung gegenüber Wölfen verändert hat.

Allerdings ist die Treue der Befragten zum Wolf begrenzt. Zwei Drittel (65 Prozent) sind beispielsweise dafür, einzelne Wölfe, die Probleme verursachen, notfalls zu töten. Dennoch begrüßen fast drei Viertel der Befragten in diesen Regionen die Rückkehr von Wölfen. 73 Prozent meinen sogar, dass sie wie andere Wildtiere in unsere Landschaft gehören. 76 Prozent der Befragten gaben an, dass Wölfe selbst dann in Deutschland leben sollen, wenn es zu Problemen kommt.

BBV fordert Obergrenze für Wölfe

BBV

„Um ein weitgehend konfliktfreies Miteinander von Wolf und Weidetierhaltung zu ermöglichen, ist die umfassende Unterstützung für Nutztierhalter beim Herdenschutz unerlässlich“, stellt Dr. Andreas von Lindeiner, LBV-Landesfachbeauftragter Naturschutz, klar. Der LBV fordert die Politik und insbesondere den Bayerischen Bauernverband daher auf, das Wolfsmanagement konstruktiv zu begleiten, anstatt weiterhin die Wiederbesiedlung des Freistaats durch den Wolf abzulehnen.

Der BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) geht in seiner Kritik noch weiter. Er wirft dem Bauernverband Blockadepolitik vor. Der BN setzt indes auf eine bessere Förderung der Weidetierhalter beim Herdenschutz. 

Für Stefan Köhler, Umweltpräsident des Bayerischen Bauernverbands (BBV), ist indes klar: „Der Wolf stellt eine riesige Gefahr für Weidetiere dar. Ein Nebeneinander von Weidehaltung und Wolfsrudeln ist nicht möglich – da können die Zäune noch so gut bzw. hoch sein!“

Bei einer Verdopplung der Wolfspopulation alle drei Jahre fordert der BBV eine Obergrenze an Wölfen und eine Regulationsmöglichkeit des Wolfsbestandes mit einer praktikablen Möglichkeit der Entnahme von Problemwölfen. Nach Köhlers Auffassung stehen der Erhalt einer gesellschaftlich gewollten, tiergerechten Haltungsform und die traditionelle Kulturlandschaft in Bayern auf dem Spiel – und damit letztlich auch der Naturschutz selbst.

Verbände verlangen dauerhafte Herdenschutz-Förderung

Die nutztierhaltenden und grundbesitzvertretenden Verbände in Bayern verlangen ein entschlosseneres Handeln der Regierung im Umgang mit dem Wolf. In einem gemeinsamen Brief fordern der Bayerische Bauernverband, der Bayerische Waldbesitzerverband, der Verband Familienbetriebe Land und Forst Bayern sowie der Landesverband der Bayerischen Schafhalter die Politik auf, sich für ein Herabsetzen des Schutzstatus von Wölfen innerhalb der EU einzusetzen. Das sei die  für ein angemessenes Wildtiermanagement. 

Gemeinsam fordern die Verbände die Regierung auf, alle in Bayern möglichen Maßnahmen zum Herdenschutz voll auszuschöpfen. Dazu gehört laut den Verbänden, sämtliche Schäden grundsätzlich zu entschädigen, wenn ein Wolf als Verursacher nicht auszuschließen ist, unabhängig von den erfolgten Schutzmaßnahmen. Zudem müsse Herdenschutz dauerhaft und nicht nur zeitlich befristet gefördert werden, ebenso sämtliche laufende Kosten (auch Arbeitskosten) und wirksame Maßnahmen.

DBV schätzt bis zu 2300 Wölfe in Deutschland

Nach einer Hochrechnung des Deutschen Bauernverbandes wird der Wolfsbestand in diesem Jahr auf ein Niveau von 1.600 bis 2.300 Wölfen anwachsen. Der immer geforderte Erhaltungszustand des Wolfes ist nach Auffassung des Deutschen Bauernverbands (DBV) längst erreicht.

Politik in Bund und Ländern dürfen Regulierung von Wölfen nicht länger aussitzen, denn mit jedem Jahr ohne ein aktives Wolfsmanagement nehmen auch die Risse von Schafen, Ziegen, Rindern, Pferden und landwirtschaftlichen Wildtieren exponentiell zu.

"Weidetierhaltung in Deutschland wird der Wolfsromantik geopfert – für die Sorgen der Weidetierhalter und Menschen im ländlichen Raum gibt es nur Scheinlösungen von Förderung und vermeintlich sicheren Herdenschutzmaßnahmen“, meint DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken.