Milchmarkt

BDM: Marktstellung der Bauern muss besser werden

Milchregal
Ulrich Graf Portrait 2019
Ulrich Graf
am Mittwoch, 08.07.2020 - 12:29

Solange die Bauern Lieferanten von billigen Rohstoffen für die Lebensmittelindustrie bleiben, ändert sich für den Interessenverband nichts. Eine echte Neugestaltung müsse den Bauern den marktwirtschaftlichen Spielraum eröffnen, gewünschte Mehrleistungen zu erbringen ohne die Abhängigkeit von staatlichen Geldern weiter zu erhöhen.

„Wir brauchen einen Umbau der Agrarmarktpolitik, weg vom seit Jahrzehnten verfolgten Ziel der globalen Wettbewerbsfähigkeit der Ernährungsindustrie hin zur Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft gegenüber der Verarbeitungsstufe“, fordert der BDM-Bundesvorsitzende Stefan Mann. Der vom Agrarministerium nun eingeschlagene Weg, die Tierhaltung schnell umbauen zu wollen, dabei weiter international wettbwerbsfähig bleiben zu wollen, lasse aber keine grundlegende Änderung erwarten.

Denn das Prinzip der globalen Wettbewerbsfähigkeit bedeute, dass die landwirtschaftliche Produktion die nachfolgende Verarbeitungsstufe mit billigen Rohstoffen versorge. „Für mehr Tierwohl und eine höhere gesellschaftliche Akzeptanz im Inland sollen zwar Stallumbauten stattfinden, zu deren Finanzierung der Verbraucher mit einer Tierwohlsteuer einen Beitrag leisten soll, am System der Markteroberung über billige Rohstoffpreise aber wird offenkundig nichts geändert werden", so die Kritik von Mann. Der Verbraucher zahle eine Abgabe für höhere Anforderungen an die Tierhalter, während die Verarbeiter weiterhin ihren billigen Rohstoff erhalten würden. Es könne weiter ein Preiskampf geführt werden, denn auch für den Export blieben die tierischen Produkte weiterhin wettbewerbsfähig billig.

Erlöse am Markt erzielen

„Ein derartiger Umbau sichert nicht die notwendige vielfältige Struktur in der Landwirtschaft, weil es damit nicht gelingt, die Marktstellung der Tierhalter zu verbessern und höhere Preise für die tierischen Produkte zu erreichen, die wirklich über den Markt erzielt werden können. So kann es auch nicht gelingen, die kleinen Betriebe mitzunehmen“, stellt BDM-Vorsitzender Stefan Mann klar. 

„Die Bundesregierung sollte endlich den Mut haben, die Ausrichtung der Agrarpolitik zu verändern und zeigen, dass sie das auch im Kreuz hat" betont der BDM-Bundesvorsitzende. Daran hapere es aber massiv. Anders als immer dargestellt, könne nicht die Rede davon sein, dass Deutschland in der EU ein Vorreiter sei - weder bei der Gestaltung einer zukunftsfähigen Agrarpolitik noch bei der Umsetzung von Maßnahmen, die in Brüssel mitbeschlossen wurden, zum Schutz des Klimas wie auch der Arbeitnehmer und vor allem der in der Landwirtschaft tätigen Bäuerinnen und Bauern.

"Wir brauchen mehr als gut klingende Sprüche, wir brauchen wirkungsvolle Strategien für eine echte Neugestaltung, die den Bauern den marktwirtschaftlichen Spielraum lässt, gewünschte Mehrleistungen zu erbringen ohne die Abhängigkeit von staatlichen Geldern weiter zu erhöhen“, fordert der BDM-Vorsitzende.