Tierschutz

BBV und Kaniber fordern aktives Wolfsmanagement

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 04.03.2021 - 07:49

Nach den jüngsten Vorfällen in Franken wächst der Druck auf ein besseres Wolfsmanagement. Umweltminister Glauber, der Bund und die EU sind jetzt am Zug.

Wolf

Angesichts der zunehmenden Risse von Nutztieren durch Wölfe in Bayern, wie jüngst im oberfränkischen Betzenstein, hat Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) erneut eine Absenkung der Schutzvorgaben für Wölfe gefordert. Entnahmen des Wolfes müssen künftig deutlich leichter möglich sein. Die Ministerin hat sich mit diesen Forderungen an den EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius wie auch an Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) gewandt.

Die zunehmenden Wolfsrisse und die Bestandszahlen zeigen nach Auffassung Kanibers, dass wir hier dringend handeln müssen. In einem dicht besiedelten und genutzten Land muss die Politik aktiv regelnd einschreiten. "Wir dürfen keine Zeit mehr mit Debatten darüber verlieren, wie der Wolf zu schützen ist und wie er sich noch zahlreicher verbreiten kann. Jetzt geht es um den Schutz der Weidetiere, bloße Entschädigung ist nämlich nicht die Lösung", so die Agrarministerin.

Die Bundesumweltministerin sei jetzt gefordert, dringend die notwendigen gesetzlichen Änderungen anzugehen. Für den Erhalt einer gesunden und nicht vom Aussterben bedrohten europäischen Wolfspopulation sei es nicht erforderlich, dass Wölfe in allen Teilen Europas in gleicher Dichte vorkommen und jedes denkbare Territorium mit Wölfen besetzt wird.
 

Die Landwirtschaftsministerin warnte, wenn die EU und das Bundesumweltministerium hier nicht schnell handelten, zum Beispiel durch ein länderübergreifendes Monitoring und verbesserte Regulierungsmöglichkeiten, drohten langfristige Schäden, hohe Kosten und auch menschliches Leid.

Sie kritisierte das Fehlen eines gesamteuropäischen Vorgehens bei der Beurteilung des Erhaltungszustands. Ebenso bemängelte sie, dass es das Bundesumweltministerium bisher versäumt habe, angesichts der immer weiter steigenden Wolfszahlen den günstigen Erhaltungszustand festzustellen.

Felßner: Wolf muss ins Jagdrecht

Für Günter Felßner, Vizepräsident des Bayerischen Bauernverbands ist klar: "Der Wolf stellt eine riesige Gefahr für Weidetiere dar. Ein Nebeneinander von Weidehaltung und Wolfsrudeln ist nicht möglich – da können die Zäune noch so gut sein!" 

Er fordert die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht und praktikable Regulierungsmöglichkeiten. Es stehe der Erhalt von tiergerechten Haltungsformen und von traditionellen Kulturlandschaften in Bayern auf dem Spiel – und damit letztlich auch der Naturschutz selbst.

Da der Wolf keine natürlichen Feinde hat, breiten sich die Tiere ungebremst in Bayern aus. Diese Entwicklung trifft inzwischen nicht nur die Alpenregion und Mittelgebirge, sondern der Wolf sorgt laut Felßner bereits flächendeckend für Probleme. Als Beleg führt er den mutmaßlichen Angriff auf Gehegewild in der Fränkischen Schweiz an. Er mache mehr als deutlich, dass Weidetiere und Wolfsreviere nicht nebeneinander bestehen können. "Wir fordern deshalb den Schutz der Weide-, Freiland- und Offenstallhaltung vor dem Wolf!“

Trotz Zaun und Schutz durch zwei Wildgatter sind im oberfränkischen Betzenstein (Landkreis Bayreuth) in den vergangenen Tagen 25 Tiere (Rotwild, Damwild und Mufflons) gerissen worden. 

BUND: Kosten zu 100 Prozent erstattet

Mit völligem Unverständnis und harter Kritik reagiert der BUND Naturschutz in Bayern (BN) auf die Forderung nach leichteren Abschüssen von Wölfen in Bayern durch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber.

„Ein wirksamer Schutz der Weidetiere geht nur mit Herdenschutzmaßnahmen. Mit der bayerischen Förderrichtlinie für Investitionen in den Herdenschutz bekommen Weidetierhalter die Kosten zu 100 Prozent erstattet. Damit können Wolfsrisse wie die der letzten Tage vermieden werden. Der Wolf gehört als heimisches Wildtier ebenso zu Bayern wie die Weidetierhaltung, der wir vielerorts die Erhaltung seltener Tiere und Pflanzen und landschaftliche Vielfalt und Schönheit zu verdanken haben. Hätten das Landwirtschaftsministerium und die Landwirtschaftsverwaltung den Herdenschutz in den letzten Jahren nicht gemeinsam mit dem bayerischen Bauernverband blockiert, wären die Wolfsrisse wohl vermeidbar gewesen“, so BN-Vorsitzender Richard Mergner.

Der reflexhafte Ruf nach Abschüssen nach Rissereignissen wiegt Weidetierhalter in dem falschen Glauben, dass mit Abschüssen ihre Tiere vor Wolfsangriffen geschützt werden können und Herdenschutz nicht zielführend sei. Doch da der Wolfin wenigen Tagen Hunderte von Kilometern wandern kann, ist auch beim Abschuss einzelner Tiere jederzeit und überall in Bayern das Auftauchen von Wölfen und damit Risse möglich.

Mit der Abwertung der Schutzmöglichkeiten durch Herdenschutz nimmt Kaniber daher vermehrte Risse in der Weidehaltung in Kauf und erweist damit der Weidetierhaltung in Bayern einen Bärendienst. Darüber hinaus verschweigt sie, dass auch in den wenigen europäischen Ländern, in denen der Wolf bejagt wird, flächendeckend Herdenschutz betrieben werden muss.

Mit Material von Bund Naturschutz in Bayern