Bodenversiegelung

Bayern ist Spitzenreiter beim Flächenverbrauch

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Alexandra Königer
Alexandra Königer
am Freitag, 17.09.2021 - 11:50

Der Flächenverbrauch in Bayern ist laut Landesamt für Umwelt (LfU) im Vergleich mit allen anderen Bundesländern am höchsten. Er schwankt seit Jahren auf hohem Niveau und lag zuletzt bei rund elf Hektar pro Tag.

Die bayerische Staatsregierung bekennt sich zu dem Ziel in der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung, den Flächenverbrauch bis 2030 auf unter 30 ha pro Tag zu reduzieren. Das entspricht einem bayerischen Anteil von etwa 5 ha. Inzwischen hat die Koalition aus CSU und Freien Wählern im Landesplanungsgesetz eine Richtgröße von 5 ha pro Tag verankert. Sie ist zum 1. Februar in Kraft getreten – und unverbindlich.

Die bayerische Flächenspar-Offensive umfasst laut Bodenschutzbericht verschiedene Maßnahmen: unter anderem standardisierte Bedarfsnachweise, die Etablierung von Flächensparmanagern oder die Durchführung von Regionalkonferenzen. Außerdem wurden „Vitalitätschecks“ der Ländlichen Entwicklung durchgeführt und die Förderinitiativen „Innen vor außen“ und „Flächenentsiegelung“ mit einer Fördersumme von 100 Mio. € gestartet.

Auch in Österreich verschwinden Agrarflächen

Auch in Österreich gingen laut dem Umweltbundesamt in Wien im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre 11,5 ha pro Tag an produktiven Böden durch Verbauung, für Siedlungs- und Verkehrszwecke, aber auch für intensive Erholungsnutzungen, Deponien, Abbauflächen, Kraftwerksanlagen und ähnliche Intensivnutzungen verloren. Mit einem jährlichen Bodenverbrauch von 42 km² setzte sich die Abnahme der neu beanspruchten Flächen seit dem Jahr 2010 fort. Die einzige Ausnahme von diesem Trend bildet das Jahr 2019, in dem der Bodenverbrauch zugenommen hat.

Die jährliche Flächeninanspruchnahme ist also über viermal so hoch wie der Zielwert von 2,5 ha pro Tag, der im Regierungsprogramm von ÖVP und Grünen für das Jahr 2030 angestrebt wird. Wer das immer wieder beklagt, ist Kurt Weinberger, der Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Hagelversicherung: „Wir sind noch immer meilenweit von dem im jetzigen Regierungsprogramm – und bereits erstmals im Jahr 2002 – festgelegten Zielwert entfernt“, sagt er. Tatsache sei, dass in Österreich täglich noch immer zu viel beste Agrarflächen für Straßen und Immobilien verbaut werden. „Wir brauchen endlich ein Maßnahmenbündel, aber eines, das sich gewaschen hat“, so Weinberger.

Der Bund hat bei dem Thema nur koordinierende Wirkung – die Kompetenz für die Raumordnung und die Flächenwidmung liegt auch in Österreich bei den Bundesländern beziehungsweise den Gemeinden, wie das österreichische Landwirtschaftsministerium erklärt. Ministerin Elisabeth Köstinger plant im Oktober eine Raumordnungskonferenz mit den Ländern, bei der eine Bodenschutzstrategie verabschiedet und dann gemeinsam mit den betroffenen Ministerien und den Ländern umgesetzt werden soll.

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