Deutscher Bauerntag

Bauerntag: Rukwied stellt sich interner Kritik

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 16.10.2020 - 14:05

Die freie Grundsatzrede von DBV-Präsident Joachim Rukwied kam bei den Delegierten gut an. Er sprach auch verbandskritische Themen an.

Rukwied Joachim-Bauerntag2020

In seiner Grundsatzrede auf dem Deutschen Bauerntag, ging DBV-Präsident Joachim Rukwied auch auf interne Kritik ein. So griff Rukwied unter anderem den Vorwurf auf, die Verbandsspitze würde in öffentlichen Auftritten oft zu geringe Empathie und zu wenig Emotionen zeigen. Mitglieder forderten Rukwied auf, künftig mehr „zu trumpen“. Er müsse "mehr Kante" zeigen.

Rukwied räumte ein, diese Kritik nehme er und der Vorstand sehr ernst. „Wir im Vorstand hinterfragen ständig unsere Arbeit“, so der zur Wahl stehende DBV-Präsident. Fehler in der alltäglichen, hektischen politischen Arbeit passierten dabei auch schon mal Fehler, gestand er offen ein.

Öffentlicher Druck ist nicht immer vorteilhaft

Der Bauernpräsident verdeutlichte, dass es manchmal besser sei, im Hintergrund Druck zu machen, statt in der Öffentlichkeit. Als Beispiel führte er an, dass man kurz vor der Schließung des Tönnieswerks in Rheda-Wiedenbrück einer Lösung nahe war, die Schließung zu verhindern. Erst durch die Demonstrationen von Landwirten vor Ort hätten einen positiven Lösungsansatz zunichte gemacht.

Bei der politischen Arbeit müsse man aber immer auch weiterarbeiten können und als Gesprächspartner ernst genommen werden, verdeutlichte Rukwied, warum nach außen der Anschein entstehe, zu wenig „mit Emotionen“ zu agieren.

Dabei nehme er durchaus auch Missstimmungen in der Politik in Kauf. Als Beispiel führte Rukwied seine Aussagen zu den vom Insektenschutzprogramm betroffenen Flächen auf. Damals hätte Staatssekretär Hermann Onko Aeikens. Dieser wäre wochenlang verstimmt gewesen. Aeikens ist Ende 2019 aus dem Amt ausgeschieden.

Warnung vor Radikalisierung

Thematisiert hatte Rukwied, warum der Deutsche Bauernverband im vergangenen Herbst nicht zu den Großdemos aufgerufen habe. „Uns im Vorstand war damals das Risiko einer Eskalation zu groß“, so Rukwied in seiner Rede. Er gestand offen ein, dass dies damals ein Fehler gewesen sei. Er findet die damalige Wucht der Demonstrationen für gut, die Land schafft Verbindung organisiert hatte. Er begrüßte das damalige Engagement vieler junger Bauern. In seiner Rede rief er die aktiven Jungen auf, sich auch im Bauernverband zu engagieren. „Der Verband müsse attraktiver und aggressiver werden“, warb Rukwied in seiner Rede.

Allerdings warnte der Präsident vor einer Radikalisierung in der Bauernschaft. „Wenn Landwirte unter fragwürdigen Symbolen wie beim informellen EU-Agrarrat in Koblenz laufen, löst das Irritationen nicht nur in Deutschland, sondern auch in der anderen EU-Ländern aus“, so Rukwied. „Wir bekennen uns zur Demokratie und zu Europa. Wir lassen es nicht zu, dass wir Bauern in eine radikale Ecke gedrängt werden“, sagte der DBV-Präsident in seiner emotionalen Grundsatzrede.

Viele Delegierte begrüßten in der anschließenden Diskussion die offene, freie Rede. „Wir hätten so eine emotionale Rede nicht erwartet“, räumte ein Delegierter ein. BBV-Vizepräsident Günther Felßner drückte sein Lob für die Grundsatzrede so aus: „Mir reicht mehr Rukwied und weniger Trump.“