Deutscher Bauerntag

Bauerntag: Die Lage ist mehr als angespannt

Rukwied-Bauerntag-2020
Wolfgang Piller
Wolfgang Piller
am Freitag, 16.10.2020 - 12:09

Corona, ASP, Wolf, Tierschutzverordnungen: Der Bauernpräsident hat den Bauerntag mit einer Grundsatzrede eröffnet. Bei der Wahl am Nachmittag wurden Rukwied und BBV-Präsident Heidl als Stellvertreter bestätigt.

Rukwied Joachim-Bauerntag2020

In seiner Grundsatzrede zur Situation der deutschen Landwirtschaft bei der Mitgliederversammlung 2020 machte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, deutlich, in welch schwieriger Lage sich die deutschen Landwirte derzeit befinden. „Die Schweinehaltung befindet sich gerade in der größten Krise seit Jahrzehnten.“

Die corona-bedingten Ausfälle bei Schlachtungen seien verheerend, die Afrikanische Schweinepest breite sich immer weiter aus, die Schlacht- und Ferkelpreise im freien Fall. Rukwied fordert daher von der Politik eine schnelle, wirksame und unbürokratische Unterstützung für die deutschen Schweinehalter. Er kritisierte in seiner freien Rede, die Aussagen der Fleischbranche, man könne 95 Prozent der Schlachtkapazitäten bereitstellen. "Wir kommen in unseren Schätzungen bestenfalls auf 75 Prozent", argumentierte Rukwied.

Auch in anderen Betriebsausrichtungen sei die Lage mehr als angespannt, sei es wegen der erneuten Trockenheit, des niedrigen Milchpreises oder der Ausbreitung des Wolfs.

Zu viele Veränderungen für die ernste Situation

Rukwied betonte, dass auch geplante gesetzgeberische Maßnahmen die wirtschaftliche Situation in den Betrieben weiter zuspitzen würden. Die nicht fachgerechte Verschärfung der Düngeverordnung, das geplante Aktionsprogramm Insektenschutz oder die Tierschutznutztierhaltungsverordnung werden viele Betriebe ins Aus drängen. „Die Summe dieser Veränderungen ist in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation nicht umsetzbar“, mahnt der Bauernpräsident.

Die Bauern seien grundsätzlich zu Veränderungen bereit. Der Bauernverband unterstütze beispielsweise die Vorschläge der Borchert-Kommission zum Umbau der Tierhaltung in Deutschland. Doch noch sei völlig unklar, wie dieser Umbau finanziert werden solle. „Damit dürfen die Bauern nicht alleingelassen werden“, fordert Rukwied.

Es kommt auf die Entscheidungen in Brüssel an

Für die Zukunft der Betriebe seien die anstehenden Entscheidungen in Brüssel von großer Bedeutung. Der Deutsche Bauernverband habe hier mit dazu beitragen können, den Mittelfristigen Finanzrahmen (MFR) weitgehend in seinem Volumen zu halten, um so auch die weitere Finanzierung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) sicherzustellen. „Es ist uns gelungen das Budget nahezu stabil zu halten, das sage ich ganz selbstbewusst“, so der Bauernpräsident, der in seinem Amt als Copa-Präsident in den vergangenen drei Jahren aktiv an diesen Verhandlungen mitwirkte.

In seiner kämpferischen Ansprache an die knapp 500 Delegierten ruft Rukwied den gesamten Berufsstand trotz der extrem angespannten Lage zum Zusammenhalt auf. Rukwied ging auch auf interne Kritik ein und kündigte an, den Verband weiterentwickeln zu wollen.

Der DBV-Präsident rief dazu auf, jünger und weiblicher zu werden. So habe der Verband eindeutig Nachwuchsprobleme. Dazu werde der Verband gezielt Gespräche auf Kreisebene führen, um auch mehr Frauen für die Verbandsarbeit zu gewinnen. Auch sagte Rukwied zu, die geforderte Diskussion zu Satzungsänderungen anzugehen.

Rukwied und Heidl wiedergewählt

DBV-Vorstand-Bauerntag2020-Erfurt

Am Nachmittag haben die knapp 500 Delegierten in der Mitgliederversammlung den Vorstand des Deutschen Bauernverbandes (DBV) neu gewählt. Der alte und neue Präsident heißt Joachim Rukwied. Bei der Wahl der vier DBV-Vizepräsidenten wurde auch der bayerische Bauernpräsident Walter Heidl im Amt bestätigt.

Aus Bayern waren 50 Delegierte in die thüringische Landeshauptstadt gereist, um ihre Stimme abzugeben. Rukwied, der seit 2012 deutscher Bauernpräsident ist, wurde mit 373 der 457 abgegebenen Stimmen laut Satzung (81,6 Prozent) wieder an die Spitze des Deutschen Bauernverbandes gewählt. Heidl, seit Mai 2012 Präsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) und seit 2015 als DBV-Vizepräsident tätig, wurde ebenfalls wiedergewählt. Der Niederbayer erhielt 86,9 Prozent der Stimmen.

Als weitere Vizepräsidenten im DBV-Vorstand wurden Karsten Schmal (Hessen) mit 93,6 Prozent, Werner Schwarz (Schleswig-Holstein) mit 88,9 Prozent und Detlef Kurreck (Mecklenburg-Vorpommern) mit 87,9 Prozent gewählt. Wolfgang Vogel aus Sachsen, bisheriger Vizepräsident, trat nicht mehr zur Wiederwahl an.