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Bauerndemonstration

Bauernproteste: AbL rät zu Distanz von rechter Hetze

Josef koch
Josef Koch
am Sonntag, 17.07.2022 - 07:00

Arbeitsgemeinschaft sieht Gefahr, von rechts unterwandert zu werden. Landfrauen rufen zum Schulterschluss mit Verbrauchern auf.

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Seit Wochen gibt es in den Niederlanden heftige Proteste von Bäuerinnen und Bauern gegen drastische Verschärfungen von Umweltauflagen seitens der Regierung. Ein Drittel der Betriebe befürchtet das Aus. Auch in Deutschland gibt es vielerorts Unterstützung für diese Aktionen.

Nach Einschätzung von Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V., versuchen rechtspopulistische Parteien und rechtsextreme Organisationen bereits die Protestbewegungen zu kapern und gleich die Demokratie mit aus den Angeln zu heben.

„Wir sind von bäuerlicher Seite gut beraten, ihnen nicht die Steigbügel zu reichen, sondern uns in unserem Protest klar gegen Hass und Hetze dieser Kräfte zu stellen“, so der AbL-Geschäftsführer. Gerade jetzt komme es darauf an, sich mit Menschen zusammen zu tun, die aktiv für soziale und ökologische Gerechtigkeit hier und anderswo kämpfen.

„Statt nur auf sich selbst zu schauen, zu spalten und zu isolieren, ist Hinschauen angesagt, wie es anderen Menschen hier und in der ganzen Welt ergeht. Das ist unsere bäuerliche Solidarität“, so Janßen.

Abwehrkämpfe alleine reichen nicht

Er sieht die Probleme und Herausforderungen nicht nur auf die Niederlande begrenzt. Er appelliert an die europäische Bauernprotestbewegung, konsequent für einen Systemwechsel in der Agrarpolitik einzutreten. Janßen sieht es aber als Recht und Pflicht von Bäuerinnen und Bauern, für die Existenz ihrer Höfe und für eine gesunde Lebensmittelerzeugung zu kämpfen. „Dies tun die Berufskolleginnen und -kollegen in den Niederlanden mit großem Einsatz, mit Blockadeaktionen und zivilem Ungehorsam“, ist er überzeugt.

Er warnt aber davor, der Politik die alleinige Schuld zuschieben. „Viel zu oft und viel zu viele von uns haben diese Entwicklung stillschweigend, allenfalls zähneknirschend, hingenommen oder sogar aktiv befürwortet, wie die Spitze des Deutschen und Europäischen Bauernverbandes“, gibt er zu bedenken.

Seiner Meinung nach reichen „bloßen Abwehrkämpfe“ nicht aus. Bäuerinnen und Bauern sollten der Politik und der Zivilgesellschaft ein offensives Angebot machen: Für flächendeckend umwelt-, wasser-, klimaschonenden Ackerbau, für den Erhalt der Artenvielfalt, für den Umbau hin zu einer artgerechten Haltung von Nutztieren.

 In diese Richtung zielte bereits der Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft.

Landfrauen werben für Schulterschluss

Der Deutsche LandFrauenverband (dlv) sieht die wachsenden Existenzängste vieler Menschen in der Landwirtschaft mit Sorge. Er ruft zum Zusammenhalt auf – für die Zukunft der regionalen Lebensmittelversorgung. dlv-Präsidentin Petra Bentkämper stellt sich gegen die aufkeimende Gewalt.

„Nicht Konfrontation, sondern Kooperation ist geboten. Die Zukunft unserer heimischen Landwirtschaft steht auf dem Spiel, das muss unseren Verbraucherinnen und Verbrauchern klar sein,“ so die dlv-Präsidentin.

Sie appelliert an die deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher: „Solidarisiert Euch mit den Landwirtinnen und Landwirten! Fordern wir jetzt gemeinsam die politischen Entscheidungsträger auf, unserer Landwirtschaft in Deutschland mit der ganzen Bandbreite ihrer Leistungen eine sofortige Perspektive in die Zukunft zu geben.“

 

Verbraucher und Landwirte sind überfordert

So ergehe es vielen Verbrauchern ähnlich wie den Landwirten. Bedeutende Teile der Gesellschaft stellten laut Bentkämper höchste Anforderungen an die landwirtschaftliche Produktion.

Gleichzeitig könnten immer weniger Verbraucherinnen und Verbraucher die damit verbundenen Mehrkosten an der Ladentheke mittragen, nicht zuletzt aufgrund niedriger Einkommen und angesichts stark steigender Inflation. Als Konsequenz verlören landwirtschaftliche Betriebe an Rentabilität, so Bentkämper.

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