Land schafft Verbindung

Bauerndemos: Bayern treffen sich in Nürnberg

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Ulrich Graf Portrait 2019
Ulrich Graf
am Mittwoch, 15.01.2020 - 16:05

Zum Start der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin werden amFreitag den 17. Januar 2020 bundesweit Aktionen veranstaltet.

In Bayern findet eine Schleppersternfahrt mit zentraler Kundgebung in Nürnberg statt.

Freitag, den 17. Januar 2020

Volksfestplatz Nürnberg

ab 12:00 Uhr

Die Veranstaltung beginnt ab 12:00 Uhr mit der Ankunft der Schlepper, um 13:30 Uhr startet dann die Kundgebung.

Zukunftsorientierte Agrarpolitik gefordert

Erstmals hat die Bewegung Land schafft Verbindung (LsV) den Protestaufruf mit einer umfangreichen Begründung ihres Handelns herausgegeben. Darin fordert sie eine zukunftsorientierte Agrarpolitik. Die ausschließliche Ausrichtung auf die Produktion zu Weltmarktpreisen habe in Europa keine Zukunft. Stetig wachsende Anforderungen, in den Bereichen Umwelt und Tierwohl, sein nicht umsetzbar. Die Landwirtschaft dürfe nicht mehr länger billiger Rohstofflieferant der Lebensmittelindustrie sein.

Faire und verantwortungsvolle Landwirtschaft könne es nur geben, wenn sich alle Akteure an den Kosten für höhere Standards beteiligen. Die bestehende und zunehmende Abhängigkeit von staatlichen Geldern lehnt LsV ab. Landwirte trügen Verantwortung für Generationen. Der Ökonomie und der Ökologie wollen sie gerecht werden.

Hier müssten die erforderlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Die aktuelle Ausrichtung der Politik mache dies unmöglich. Ein Großteil der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland wirtschafte mittlerweile am Existenzminimum, viele hätten bereits aufgegeben.
Die Neuausrichtung der Agrarpolitik sei zwingend nötig, um die Landwirtschaft überhaupt zu erhalten.

Düngeverordnung im Fokus

Im Kern der Kritik von LsV steht weiterhin die Düngeverordnung. Ihre Verschärfung sei praxisfern und klimaschädlich Die Düngeverordnung von 2017 werde deutlich verschärft, ohne eine Evaluierung der bisher erreichten Ergebnisse zu veranlassen. Dies sei eine nicht nachvollziehbare Vorgehensweise.

Die geplanten Veränderungen seien in weiten Teilen praxisfern, partiell sogar kontraproduktiv. Eine pauschale Unterversorgung von Pflanzen führe zu Humusabbau und letztlich höherer CO2-Freisetzung.

Messstellennetz überarbeiten

Die Grundlage der Verordnung, das WRRL Messstellennetz, bedürfe einer fachlich fundierten Überarbeitung durch alle Beteiligten. Es seien alle Verursacher möglicher Nitratbelastungen zu eruieren und in die Verantwortung zu nehmen. Insbesondere die Kommunen hinsichtlich des Kläranlagenmanagement und Kanalisationsnetzes.

Die bedeutenden Möglichkeiten der Landwirtschaft zur CO2-Speicherung, wie gezielter Zwischenfruchtanbau mit entsprechender organischer Düngung und daraus resultierendem Humusaufbau, gelte es strategisch zu nutzen und hinsichtlich Effizienz weiter zu erforschen und auszubauen.

Eine Politik, wie im derzeitigen Referentenentwurf vorliegend, würde einen Strukturwandel in bisher noch nie dagewesenem Ausmaß auslösen.

Landwirte sind nach Einschätzung der Bewegung sich ihrer besonderen Verantwortung für den Schutz des Grundwassers bewusst und bereit, ihren Teil der Verantwortung zu tragen. Aufgabe der Politik ist alle Verursacher zu benennen und zur Behebung der Ursachen heranzuziehen.

    Landwirte als Buhmann

    Handlungsbedarf sieht Land schafft Verbindung bei allen gesellschaftlichen Gruppen. Dies gelte insbesondere für den: 

    • Insektenschutz - Die Landwirtschaft pauschal als alleinigen Verursacher des Insektensterbens darzustellen sei unseriös. Es gelte alle Ursachen für den Artenschwund zu erforschen. Hervorzuheben seien hier die Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln im Privatgebrauch, Mobilfunkstrahlung, die Flächenversiegelung und Lichtverschmutzung.
      Gefordert sei hier u.a. die öffentliche Hand selbst, vorbildliche Maßnahmen zu ergreifen, welche dem Erhalt und der Förderung der Artenvielfalt beitragen. Pauschale Verbote von Herbiziden und Insektiziden nur für landwirtschaftliche Flächen mit Schutzgebietsstatus seien nicht zielorientiert. Effektiver sei, über Umweltprogramme gemeinsam, Artenschutz zu betreiben,  z. B. mit gewachsenen Strukturen in der Kulturlandschaft, wie Streuobstwiesen und artenreiches Grünland. Hier sei die Bewirtschaftung erforderlich, welche zur Entstehung beitrug.
    • Staatliches Tierwohllabel - Die Kennzeichnung von Lebensmitteln nach Kriterien des staatlichen Tierwohl Labels habe verpflichtend zu erfolgen. Sie müsse für alle verkauften Waren gelten. Für Importwaren, wie auch in verarbeitender Industrie und Gastronomie. Nur dadurch habe der Verbraucher einen Benefit aus der umfassenden Kennzeichnung.