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Bauernproteste

Bauerndemonstration: Aldi Süd im Visier

Josef koch
Josef Koch
am Montag, 07.12.2020 - 10:45

Bayerische Bauern blockierten in der Nacht zum Montag mehrere Aldi-Zentralläger.

Aldi-Süd-Nacht

In der Nacht zum Montag (7.12.) haben etliche bayerische Bauern mit ihren Traktoren wieder Zentralläger des Lebensmittelhandels (LEH) kurzfristig blockiert. Sie protestieren gegen zu niedrige Erzeugerpreise für Milch und Fleisch. Im Fokus stand dieses Mal Aldi Süd. Vergangene Woche waren bayern- und bundesweit auch Zentralläger der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) sowie Edeka- und Reweläger von den Blockaden betroffen.

Wie LsV Bayern kurzfristig mitteilte, fanden Aktionen in Regenstauf im Landkreis Regensburg (Oberpfalz), Geisenfeld im Landkreis Pfaffenhofen (Oberbayern) und Helmstadt bei Würzburg (Unterfranken) statt. Medienberichten zufolge nahmen an den Blockaden zwischen 50 und 300 Landwirte teil. Vor allem das Aldizentrallager in Regenstauf bekam den größten Zulauf.

In Helmstadt blockierten die Landwirte schon am Sonntagnachmittag das Aldilager. Dort fand auch im Anschluss ein Gespräch mit LsV-Bayern-Vorstand Claus Hochrein und einem Aldivertreter statt. Wie zu erfahren war, soll Aldi Verständnis für die Protestaktionen der Landwirte gezeigt haben. Allerdings wies der Discounter auf den Wettbewerb im LEH hin. Einseitige Preiserhöhungen seien hier nicht möglich. Daher schlug der Vertreter vor, dass die Politik die entsprechenden Rahmenbedingungen setzen muss, um generell Abgaben für Milch oder Fleisch erheben zu können. Aus kartellrechtlichen Gründen seien Preisabsprachen zwischen den Lebensmittelunternehmen verboten.
 

Milchdialog: Verarbeiter sollen jetzt Chancen nutzen

Mit nadelstichartigen Besuchen bei Molkereien und Schlachthöfen und der Botschaft „Antworten ungenügend – Nachsitzen!“ waren Bäuerinnen und Bauern am 3. Dezember bereits zum dritten Mal innerhalb von drei Wochen aufgebrochen. Neben der Botschaft, dass die Antworten vieler Verarbeiter auf die an sie gestellten Forderungen ungenügend sind und dringend nachgebessert werden müssen, haben die Teilnehmer die Verarbeiter  aufgefordert, die Grundlage, die durch die Aktionen beim Lebensmitteleinzelhandel (LEH) geschaffen wurde, unverzüglich zu nutzen um deutlich höhere Preise durchzusetzen. 

Das Verbändebündnis Milchdialog zeigt sich indes „besorgt“, dass viele Bäuerinnen und Bauern zwar sehr wohl erkennen, dass die Verarbeiter ihre ersten und wichtigsten Ansprechpartner seien, wenn es um das Durchsetzen höherer Preise geht. Allerdings haben sehr viele Unbehagen und Angst vor negativen Folgen, wenn sie bei ihren Verarbeitungsunternehmen wiederholt persönlich auftreten. „Es ist ein sehr alarmierendes Zeichen, wie stark sich das vom Bundeskartellamt festgestellte Machtgefälle zwischen Molkereien und Milchviehhaltern zu Ungunsten der Erzeuger schon ausgeweitet hat“, so die Teilnehmer des Milchdialogs.

Da viele Betriebe existenziell massiv gefährdet sind, seien aber die Bauern hoch motiviert, sich dagegen auch mit öffentlichen Aktionen zu wehren. Das zeigte laut Milchdialog die flächendeckende, breite Beteiligung an den bisherigen Aktionen bei den Verarbeitern ebenso wie die Aktionen bei den Discountern in den vergangenen Tagen.

Die Verbändeallianz will genau verfolgen, ob die Verarbeiter ihren Job machen und den Druck für höhere Erzeugerpreise aufnehmen, den sie mit ihrem Protest beim LEH aufgebaut haben. „BeiBedarf werden wir uns dann auf ein gemeinsames weiteres Vorgehen verständigen“, erklären die Milchdialog-Teilnehmer.

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