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Agrarpolitik

Bauerndemo: Im Gespräch und nicht im Gerede

München
Sepp Kellerer
Sepp Kellerer
am Donnerstag, 24.10.2019 - 10:04

Auf einen Motivationsschub haben die Bäuerinnen und Bauern schon lange gewartet, jetzt haben sie ihn bekommen. Aber sie haben ihn nicht von außen gekriegt, sie haben ihn sich selber gegeben.

Was ursprünglich als Kundgebung in Bonn geplant war, hat sich zu einer bundesweiten Aktion entwickelt. Dass die Landwirtschaft über alle internen Grenzen hinweg gemeinsam aufgetreten ist, ist schon ein Signal, zunächst ein Signal nach innen.

Es war aber auch ein Signal nach außen, eines das deutlich gewirkt hat. Überall sind die Schlepperkonvois zumindest auf Verständnis gestoßen. Und die Bäuerinnen und Bauern sind mit den Mitbürgern ins Gespräch gekommen – und nicht ins Gerede. Sie mussten nicht Vorurteile ausräumen, sondern konnten Sachverhalte vermitteln. Die Medien waren ebenfalls voll mit den Schlepperdemos und das mal nicht, wie sonst gewohnt mit dem negativen Vorzeichen. Ein paar Unverbesserliche oder Unbelehrbare gibt es immer, aber das nur am Rande.

Und jetzt? Wie geht es weiter? Es wird darauf ankommen, den Motivationsschub mit ins Tagesgeschäft mitzunehmen. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, aber ich fürchte, das wird nicht weniger mühsam, als es bisher schon war. Werfen Sie mir vor, ich sei ein Spaßverderber, das halte ich aus. Ich will nur vermeiden, dass auf den Motivationsschub das böse Erwachen folgt.

Wer geglaubt hat, er könne das Rad der Zeit zurückdrehen, der ist bisher immer gescheitert, egal in welcher Branche oder in welchem Bereich. Das Zurückdrehen war aber eh noch nie die Sache der Landwirtschaft. Es geht jetzt darum, für Entspannung zu sorgen, wo der Bogen überspannt ist. Es geht für die Zukunft vor allem darum, die Dinge gemeinsam anzupacken, die die Menschen in unserem Lande voranbringen. Ich möchte ein Beispiel an dieser Stelle wiederholen: Sieben Prozent der Treibhausgasemissionen stammen aus der Land- und Forstwirtschaft, also von 81 Prozent der Fläche. 93 Prozent der Treibhausgasemissionen stammen aus den übrigen Sektoren, also von den 14 Prozent Siedlungs- und Verkehrsflächen.

Es geht nicht darum, mit dem Finger auf die anderen zu zeigen, es geht darum, gemeinsam die Emissionen zu verringern. Wir können zum Beispiel Humus in den Böden weiter aufbauen und damit der Atmosphäre CO2 entziehen. Wir können zum Beispiel Holz als Baustoff anbieten und damit CO2 lange Zeit in den Gebäuden speichern.