Agrarpolitik

Bauern klagen an: „Ihr nehmt uns die Luft zum Atmen“

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Stephan Stöckel
am Donnerstag, 19.09.2019 - 15:36

Bauernverband demonstriert am Rande der CSU-Klausurtagung in Banz

Kloster Banz/Ofr. - „Der Frust in den Betrieben über die derzeitige Agrarpolitik sitzt so furchtbar tief“, sagt der oberfränkische BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif. Er verschweigt auch nicht, wie tief: „Nicht einmal die schlechtesten Preise hätten eine solch miserable Stimmung produzieren können wie in der derzeitigen Situation, in der man uns permanent zu Buhmännern der Nation macht.“

Mit teilweise lautstarkem Protest entlud sich der Ärger von rund 50 Landwirten aus Ober-, Unter- und Mittelfranken über die derzeitige Agrarpolitik. Rund um das Kloster Banz, wo sich die CSU-Landtagsfraktion zu ihrer Klausurtagung getroffen hatte, standen auf Feldern und Wiesen grüne Kreuze. Man trage nicht die Landwirtschaft zu Grabe, sondern habe noch immer die Hoffnung, dass endlich einmal Schluss sein werde mit einer Politik, die aus dem Bauch heraus entscheide und wissenschaftliche Fakten negiere, betonte der unterfränkische BBV-Bezirkspräsident Stefan Köhler.

Eigenverantwortung statt Gängelei

„Ihr nehmt uns die Luft zum Atmen“, „Eigenverantwortung statt Gängelei“ oder „Heimische Lebensmittel statt Fleisch aus Übersee“ – das waren nur einige Kritikpunkte auf den Plakaten der Bauern. Eine Frau schluchzte vor einem Güllefass: „Ein Trauerspiel. Das Fass ist voll mit Ihrem Mist.“ Damit waren die CSU-Politiker gemeint.

Ministerpräsident Markus Söder, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer zeigten Verständnis für den Unmut der Landwirte und legten ein klares Bekenntnis zur kleinbäuerlich strukturierten Landwirtschaft im Freistaat ab. „Mir sind regionale Produkte lieber als internationale auf Kosten des Klimas“, sagte Söder mit Blick auf den kostbaren brasilianischen Urwald, der für Ackerboden geopfert wird.

Kaniber räumte ein, dass es ihr in Brüssel nicht gelungen sei, eine weitere Verschärfung der Düngeverordnung in Form eines Moratoriums zu verhindern. Aufgeben will die Politikerin noch lange nicht. Ihre Hoffnungen ruhen auf den neuen Umweltkommissar der EU. Sie versprach, sich für eine bessere Überwachung der einzelnen Regionen einzusetzen, damit der Freistaat eine andere Kulisse bekomme. „Es kann nicht sein, dass im Norden oder Osten Deutschlands mit seinen Großbetrieben ein Gülletourismus stattfindet, wo alle zuschauen und Bayern am Ende die Zeche zahlt“, sagte sie unter dem Beifall der Zuhörer.

Kreuzer begrüßte die von Landesbäuerin Anneliese Göller geforderte Einführung eines Faches „Alltagskompetenz und Lebensökonomie“. Es müssten nicht nur die Inhalte passen, sondern Schüler und Lehrer auch die landwirtschaftliche Produktionskette vom Hof bis zur Molkerei in der Praxis kennenlernen.