Handelsmacht

Bananen-Erzeuger beklagen Machtmissbrauch des Handels

Lateinamerika
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 14.04.2021 - 16:06

Lateinamerikanische Erzeuger monieren, dass der europäische Handel die Kosten für private Zertifizierungen einseitig auf sie abwälzt.

Lateinamerikanische Bananenanbauer sehen sich mit einem Problem konfrontiert, das in Europa altbekannt ist: Die Kosten und Investitionen durch gesteigerte Nachhaltigkeitsanforderungen müssen Erzeuger meist selbst tragen. Das stellt die Betriebe, , vor immense Herausforderungen.

Landwirtschaftliche Erzeuger von Bananen fordern deshalb nun von der Europäischen Union einen Mechanismus der geteilten Verantwortung. Er soll die steigenden Kosten, die durch Zertifizierungen entstehen, gerecht auf alle Akteure in der Wertschöpfungskette verteilen. Bislang fehle ein derartiges System.

Nennt sich freiwillig, ist es aber nicht

In diesem Zusammenhang weisen die landwirtschaftlichen Bananenerzeuger auf das Muskelspiel großer europäischer Händler hin. Der Handel fordere von den Bananenbauern eine "freiwillige" Zertifizierungen für den Markt in der EU. De facto seien das aber aufgrund der Marktmacht der Händler obligatorische Vorgaben. Außerdem wollen die europäischen Händler den an die Produzenten gezahlten Preis senken. Die Bananenbauern sehen in dem Verhalten der europäischen Händler einen Machtmissbrauch.

Die spanische Europaabgeordnete Monica Silvana, die der sozialistischen Fraktion angehört, hat das Problem nun an die EU-Kommission herangetragen und angefragt, ob sie die Möglichkeit in Betracht ziehe, ein verbindliches System der gemeinsamen Verantwortung zu entwickeln, um die mit der Nachhaltigkeit verbundenen Kosten in der Produktionskette zu verteilen und damit ein transparenteres und gerechteres System zu schaffen.

Landwirte bleiben auf den Kosten sitzen

Die parlamentarische Anfrage unterstreicht nach Ansicht der Bananenerzeuger die Herausforderung, die diese Zertifizierungen sowohl für europäische als auch für Drittlandbauern darstellen. In einem Wirtschaftssystem, in dem der europäische Handel immer niedrigere Preise zahle, aber zunehmend höhere Standards und Nachhaltigkeitsanforderungen fordere, trügen die Landwirte die Kosten für Zertifizierungen allein auf ihren Schultern.

Hinweis: Derzeit verbrauchen die Mitgliedsländer der Europäischen Union 6,5 Millionen Tonnen Bananen pro Jahr, von denen 75 % aus Lateinamerika stammen. In Ecuador macht die Bananenproduktion 3 % des BIP aus und schafft 2,5 Millionen Arbeitsplätze. Nach Branchenangaben sind die Betriebe in Lateinamerika in 95 % der Fälle klein bis mittelgroß. Nach den Worten der spanischen Europaabgeordneten bieten private Zertifizierungen weder einen Rahmen für die Verteilung der nun entstehenden Kosten, noch gebe es diesbezüglich europäische Rechtsvorschriften (nur eine Mitteilung der Kommission aus dem Jahr 2010).