Kommentar

Auge um Auge, Baum um Baum

Regenwald-Braende
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Alexandra Königer
am Donnerstag, 29.08.2019 - 10:30

Mercosur: Nach den verheerenden Regenwaldbränden vor allem in Brasilien und einem uneinsichtigen Präsidenten scheinen einige Staatschefs vom Abkommen abzurücken.

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Im Amazonasgebiet brennt der Regenwald, der 20 Prozent des weltweiten Sauerstoffs produziert – noch. Die Empörung in Europa ist groß, man droht mit Handelssanktionen.
Der brasilianische Präsident versteht die Aufregung nicht, er will das Land nutzbar machen. Aber für wen? Nicht nur für die brasilianische Landwirtschaft, sondern auch für die europäische. Eine Zahl: Allein im Wirtschaftsjahr 2017/18 hat die EU 26,8 Millionen Tonnen Soja aus den vier Mercosur-Staaten importiert. Wir haben dafür bezahlt. Mit uns lassen sich also gute Geschäfte machen. Sollte das Mercosurabkommen in Kraft treten – noch ist es nicht ratifiziert, werden die Deals noch größer.
Durch den globalen Handel haben auch wir Verantwortung für die brennende Hütte im Regenwald. Eine Spur Selbstreflexion wäre angebracht. Einer ist diese Woche mal wieder in sich gegangen – einer, der öfter aus der Parteilinie ausschert. „Die brasilianische Regierung an den Pranger zu stellen, Schuldzuweisungen und Twitterkriege helfen niemanden weiter – weder dem Regenwald, noch den indigenen Völkern oder dem Klima“, sagte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) in der Passauer Neuen Presse. Von den Drohungen einiger Staatschefs, die das Mercosur­abkommen nun infragestellen, hält er wenig. Druck erzeuge nur Gegendruck. Und dann sagt der CSU-Minister etwas Bemerkenswertes: „Der Regenwald darf nicht für neue Sojafelder brennen. Ein wichtiger Schritt wäre, auf Schweinemast auf Basis billiger Sojaimporte zu verzichten.“ Er will sich dafür einsetzen, dass nur noch zertifiziertes, nachhaltig angebautes Soja in die EU kommt.
Das wäre eine Vollbremsung, für die er nicht mal in der eigenen Partei Rückhalt hat. Trotzdem muss es erlaubt sein, solche Fragen – und Forderungen zu stellen. Müller: „Beim globalen Regenwaldschutz geht es um nichts weniger als die Überlebensfrage der Menschheit.“

 

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