Biodiversität

Artenvielfalt: Positive Bilanz für freiwillige Kooperationen

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 20.11.2020 - 08:27

Nach drei Jahren F.R.A.N.Z-Projekt stimmen die Ergebnisse positiv. Flexible Lösungen, Beratung und finanzielle Anreize sorgen für mehr Artenvielfalt.

Blühstreifen-Getreide

Eine positive Bilanz zum F.R.A.N.Z.-Projekt ziehen nach drei Jahren die Projektkoordinatoren der Umweltstiftung Michael Otto und des Deutschen Bauernverbands (DBV): F.R.A.N.Z.-Maßnahmen erzielen ökologische Erfolge. Um eine deutschlandweite Akzeptanz unter Landwirten zu schaffen, ist es entscheidend, dass sich die Maßnahmen gut in die betrieblichen Abläufe integrieren lassen und gleichzeitig keine wirtschaftlichen Einbußen nach sich ziehen.

"Hier zeigen die positiven Entwicklungen der letzten drei Jahre, dass sich der fruchtbare Dialog zwischen Landwirtschaft und Naturschutz auszahlt. Um in die bundesweite Umsetzung und Übertragung der F.R.A.N.Z.-Maßnahmen zu kommen, braucht es nun die politischen Rahmenbedingungen“, so die Pojektkoordinatoren.
 

Im F.R.A.N.Z.-Projekt entwickeln und erproben Landwirte und Wissenschaftler gemeinsam Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft. Die ersten drei Jahre zeigen laut DBV, dass der Dialog auf Augenhöhe bei Landwirten die Akzeptanz und Motivation gegenüber der Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen deutlich steigert. Die umgesetzten F.R.A.N.Z.-Maßnahmen erhalten einerseits die Wirtschaftlichkeit der Betriebe und wirken nachweislich positiv auf die Artenvielfalt bei Tieren, Pflanzen und Insekten.

Nach Erkenntnissen der sozioökonomischen Begleitforschung bedarf eine Umsetzung biodiversitätsfördernder Maßnahmen in der Fläche zunächst ausreichende finanzielle Anreize für Landwirte und gleichzeitig den Abbau von Hemmnissen. Insbesondere für Betriebe auf Gunststandorten stellen die bestehenden Prämien oft keinen Anreiz dar. Durch eine individuelle Beratung der Landwirte bei der Maßnahmenumsetzung werden die Auflagen praxisgerecht und unter Berücksichtigung regionaler Gegebenheiten angepasst, ohne dabei die ökologische Wirkung der Maßnahmen zu gefährden.

Hier bewährt sich die individuelle und fachliche Betriebsberatung des F.R.A.N.Z.-Projekts. Sie ist notwendig, um die Maßnahmen erfolgreich zu übertragen. Mehr Flexibilität in der praktischen Umsetzung wird künftig der Sorge der Landwirte vor Kontroll- und Sanktionsrisiken begegnen, um die Akzeptanz für Naturschutzmaßnahmen zu steigern, heißt es in der gemeinsamen Presseerklärung.
 

Feldlerche liebt Extensivgetreide

Vogel

Auch hinsichtlich der ökologischen Wirkung der F.R.A.N.Z-Maßnahmen ziehen die Wissenschaftler eine erste positive Zwischenbilanz. So konnten durchschnittlich zwei für Agrarlandschaften charakteristische Vogelarten, welche aufgrund ihrer Lebensraumansprüche indirekt die Landschaftsqualität anzeigen, wieder oder neu etabliert werden. Insbesondere die Feldlerche profitiert von den F.R.A.N.Z.-Maßnahmen. Die Kombination geeigneter Maßnahmen führt auf gesamtbetrieblicher Basis zu einem Anstieg der Feldlerchendichte um etwa 50%.

Herauszustellen ist die F.R.A.N.Z.-Maßnahme Extensivgetreide. Hier wird bei der Feldlerche im Vergleich zu Wintergetreide eine 5-fache und gegenüber Maisflächen eine 7,5-fache und selbst gegenüber Sommergetreide eine etwa 2,5-fache höhere Dichte festgestellt.

Mehr Wildkräuter und Tagfalter

Auch für Wildkräuter erschließt das Extensivgetreide neue Räume: hier ist die Artenvielfalt von Wildkräutern fast doppelt so groß und ihr Anteil viermal höher als in normalen Getreidebeständen. Der Artenreichtum von Ackerwildkräutern ist in einjährigen Brachen um 250% und in Blühstreifen um ca. 190 % höher als in den Kontrollflächen.

Auf den Blühstreifen werden viermal mehr Tagfalter beobachtet mit einer doppelt so hohen Artenvielfalt wie gegenüber konventionell bewirtschaftetem Ackerland. Ebenfalls hat sich über alle Betriebe gemittelt die Dichte der Feldhasen im Laufe der ersten Projektphase von sechs Feldhasen auf etwa zwölf Feldhasen pro 100 Hektar verdoppelt.

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