Biodiversität

Artenvielfalt: Forscher wollen Kommunikation verbessern

Josef Koch
Josef Koch
am Mittwoch, 07.04.2021 - 11:27

Eine Studie zeigt erhebliche Schwächen auf, wie Wissenschaftler und Praktiker über Artenvielfalt kommunizieren. Missverständnisse sind die Folgen. Frauen zeigen aber mehr Verständnis.

Hummel-Borretschblüte

Zwischen Forschung und Praktikern gibt es unterschiedliche Auffassungen zur Artenvielfalt. Eine aktuelle Befragung zeigt, dass die einzelnen Akteure die Bedeutung der landwirtschaftlichen Biodiversität, zum Beispiel für die Bestäubung, unterschiedlich wahrnehmen.

Laut der Studie weisen die unterschiedlichen Perspektiven auf entscheidende Kommunikationslücken zwischen landwirtschaftlicher Forschung und Praxis hin, die auch das gegenseitige Verständnis erschweren. Forschung, Landwirtschaft und politische Praxis müssten besser integriert werden. Dafür geben die Autorinnen der Studie konkrete Handlungsempfehlungen:

  • Erstens sollten wissenschaftliche Informationen besser für die Praxis zugänglich gemacht werden, zum Beispiel durch Bildungs- und Beratungsprogramme für die Landwirte.
  • Zweitens seien zielgerichtete Konzepte für die landwirtschaftliche Forschung und Praxis zu entwickeln, die unterschiedliche Stakeholder-Perspektiven in deren Gestaltung und Anwendung integrieren.
  • Darüber hinaus sei es sinnvoll, eine integrative und inklusive Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis zu unterstützen, etwa durch die aktive Förderung fachübergreifender Kommunikation.

Diese Bemühungen erfordern, so die Schlussfolgerung der Autorinnen, Partnerschaften und politisches Engagement auf höchster Ebene, um integrative Ansätze in der Entwicklung nachhaltiger Landwirtschaft zu verankern.
 

Frauen sehen Artenvielfalt wichtiger als Männer

Die Studie hat Dr. Bea Maas von der Universität Wien (Österreich) geleitet und ist in Zusammenarbeit mit Dr. Anett Richter vom Thünen-Institut für Biodiversität (Braunschweig), Dr. Yvonne Fabian von Agroscope (Zürich, Schweiz) und Dr. Sara Kroos von der Columbia Universität (New York, USA) durchgeführt worden. Sie ist in der Zeitschrift Biological Conservation veröffentlicht.

Für die Studie wurden 209 Landwirtinnen und Landwirte sowie 98 Umweltwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus Deutschland und Österreich befragt, wie sie die Bedeutung von biologischer Vielfalt für die landwirtschaftliche Produktion einschätzen. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Wahrnehmungen zu Biodiversität, den damit verbundenen Ökosystemleistungen und Managementmaßnahmen sehr unterschiedlich sind“, sagt Bea Maas von der Universität Wien. Die Akteure würden unterschiedliche Informationsquellen bevorzugen und so zu anderen Einschätzungen gelangen.

Akteure aus der Agrarforschung, so die Studienergebnisse, sehen Biodiversität, Agrarumweltprogramme und Naturschutzmaßnahmen als wichtiger für die landwirtschaftliche Produktion an als Landwirtinnen und Landwirte. „Während Forschende vor allem wissenschaftliche Informationen für ihre Einschätzungen heranziehen, nutzen Akteure aus der Landwirtschaft häufig Informationsquellen der Landes- und Bundesministerien und der Landwirtschaftskammern und legen Wert auf mündlichen Austausch“, erläutert Anett Richter vom Braunschweiger Thünen-Institut.

Interessant sei, so Richter, dass Landwirtinnen mit höherer Bildung oder von Ökobetrieben die Artenvielfalt und deren Schutz als wichtiger bewerteten als ihre männlichen Kollegen oder konventionell Wirtschaftende.