Im Gespräch

Artensterben: Diskurs geht weiter

Nachhaltigkeit
Paul Kannamüller
am Donnerstag, 05.12.2019 - 10:58

Alois Glück mahnt „dauerhaft naturverträgliches Wirtschaften“ an.

Freising-Weihenstephan - Wenn man miteinander redet, ist das schon mal ein Fortschritt – auch wenn der Runde Tisch nicht alle Probleme lösen kann. Das sagte Georg Rabl, der Landesvorsitzende der Bayerischen Jungbauernschaft, bei einer prominent besetzten Diskussionsrunde in Weihenstephan, wo es in der vergangenen Woche um die Versöhnung von Landwirtschaft und Naturschutz ging. Seine Generation forderte Rabl dazu auf, sich in den gesellschaftlichen Diskurs einzumischen.

Mit auf dem Podium saß auch Alois Glück, der den Runden Tisch vor der Gesetzgebung zum Artenschutz im Landtag moderiert hat – und nun weitere Gespräche führen soll. Eine der Kernaussagen des früheren Landtagspräsidenten lautete: Veränderungen fänden oft nur bei entsprechendem Leidensdruck statt. Und: Umwelt- und Naturschutz seien nicht nur Aufgabe der Landwirtschaft. Eingeladen zu der Veranstaltung hatten die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und die TU München.

Zuhören, um Situation des Anderen zu verstehen

Ein Umdenken bei allen Beteiligten forderte Glück. Dazu gehöre vor allem die Bereitschaft, die Situation des Anderen zu verstehen. Auch ihm selbst seien bis dato die starken Veränderungen in der Biodiversität nicht so bewusst gewesen, umso wichtiger sei es nun, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Die inhaltlichen Fragen seien am Runden Tisch beantwortet worden, nun gehe es um die Umsetzung. Dazu kündigte er im kommenden Jahr viele kleine Runde Tische auf Landkreisebene an. Der CSU-Politiker erinnerte an die Bayerische Verfassung, nach der die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen und zu erhalten seien. Gemeinsames Ziel müsse deshalb ein dauerhaft naturverträgliches Wirtschaften sein.

Zwar bezeichnete Rabl den Runden Tisch als „wegweisend“, sieht aber einen Vertrauensbruch zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft nach dem Motto: „Ihr macht ja sowieso alles falsch.“ Am Beispiel der Streuobstwiesen erläuterte er den engen Zusammenhang zwischen Ökonomie und Ökologie in der Praxis. Wären die artenreichen Wiesen von Landwirten nicht geschaffen worden, gäbe es sie nicht.

Um den Ökolandbau in Bayern in den nächsten 20 Jahren bis auf 30 % auszuweiten, wie im Volksbegehren beschlossen, seien auch die Ministerien mit ihren nachgelagerten Behörden in der Pflicht, in ihren Kantinen und bei Veranstaltungen Biolebensmittel anzubieten, so der Landesvorsitzende des Bund Naturschutzes in Bayern, Richard Mergner. Die Wertschätzung von Lebensmitteln und angemessene Preise sieht er als Basis dafür, um die bäuerliche Landwirtschaft in Bayern zu sichern. Er forderte einen „Systemwechsel“ in der Agrarpolitik und einen neuen Gesellschaftsvertrag.

Heißenhuber spricht von System-Bashing

Auch für Prof. Alois Heißenhuber (em.) ist ein „Weiter so“ keine Option. Seiner Ansicht nach gibt es ohnehin kein Bauern-Bashing, sondern vielmehr ein System-Bashing. Auch hätte die Gesellschaft ein berechtigtes Interesse daran, wie etwa ihre Steuergelder verwendet werden. „Die Landwirtschaft ist Teil der Lösung“, betonte Heißenhuber.

Mit auf dem Podium war auch Ernst Wirthensohn, der sein Umweltmodell „VonHier“ vorstellte, bei dem 600 Landwirte mit 42 Verarbeitungsbetrieben und einem regionalen Lebensmittelunternehmen zusammenarbeiten – im Sinne „ehrlicher“ Handelsbeziehungen zwischen Landwirten und Lebensmittelverarbeitungsbetrieben.